Konfigurieren der AS/400 als POP3 Server

10. November 2007 | Von | Kategorie: Systemmanagement

Ein Artikel der NEWSolutions: Konfigurieren der AS/400 als POP3 Mail-Server.

Konfigurieren der AS/400 als
POP3 Mail-Server

Eine schrittweise Anleitung zum Einrichten der Internet-E-Mail-Dienste der AS/400

von John Hall

ie AS/400 hat mit V3R2 und V3R7 eine Menge neuer E-Mail-Funktionen dazugewonnen, darunter vor allem die Fähigkeit, als POP3 (Post Office Protocol, Version 3) E-Mail-Server zu agieren und Internet-E-Mail und Anhänge zu verarbeiten. Damit bietet die AS/400 Internet-E-Mail-Dienste für Clients, die mit E-Mail-Paketen wie dem Netscape-Navigator oder Qualcomm Eudora arbeiten. Darüber hinaus bietet die AS/400 E-Mail-Unterstützung für Clients mit Client Access für Windows 95/NT, Lotus Notes, Microsoft Exchange (erfordert Microsoft Plus! oder Client Access) und OfficeVision/400 (OV/400). Um die integrierte E-Mail-Unterstützung der AS/400 nutzen zu können, muß die AS/400 für die Nutzung der POP3-Dienste konfiguriert werden. Dieser Artikel beschreibt, wie die AS/400 als POP3-Server konfiguriert wird. (Weitere Informationen über die E-Mail-Erweiterungen von V3R2 und V3R7 finden Sie in Lit.-Hinw. [1])

Client-Typen

Bevor Sie Ihre AS/400 als E-Mail-System einrichten, sollten Sie die verschiedenen Arten von E-Mail-Client-Programmen kennen, die Sie mit dem POP3-Server benutzen können. Es gibt zwei grundlegende Typen von Clients. Der erste ist der standardmäßige IP-verbundene Client, der über eine TCP/IP-Verbindung durch den bekannten POP3-TCP/IP-Port (Port 110) mit dem Server kommuniziert.  Der zweite Client-Typ verwendet Client Access für Windows 95/NT, um über TCP/IP, IPX oder SNA mit dem AS/400-POP3-Server zu kommunizieren. Client Access für Windows 95/NT enthält von IBM entwickelte „Dienstanbieter“, über die die Windows Mail-API (API) mit dem AS/400-POP3-Server kommunizieren kann. Mit dieser Schnittstelle können PCs mit Client Access den „Posteingang“ von Windows 95 (der MAPI einsetzt) verwenden, um auf den AS/400-POP3-Server zuzugreifen. Client Accessenthält auch einen Client für Lotus Mail, der spezifische AS/400-Funktionen nutzen kann, wie z.B. den Adreßbuch-Server, der das Systemverteilerverzeichnis (SDD) der AS/400 als unternehmensweites Adreßbuch für die Clients zugänglich macht. Der Lotus-Mail-Client enthält darüber hinaus eine Server-Send-Funktion, mit der ein Client Mail direkt über den POP3-Server und nicht über einen SMTP (Simple Mail Transfer Protokoll) Server. Mit dieser Funktion kann der Lotus Mail-Client mit nur einer Sitzung über TCP/IP, IPX oder SNA mit der AS/400 verbunden werden. Dies ist besonders für SNA-Clients wichtig, da damit die Voraussetzung einer TCP/IP-Verbindung zum Senden von Post via SMTP entfällt.

POP3-Server-Komponenten

Der AS/400-POP3-Service integriert Funktionen verschiedener Systemkomponenten:

  • TCP/IP, SNA und IPX
  • SMTP
  • AnyMail Framework
  • POP3-Server
  • AS/400 SDD
  • AS/400-Benutzerprofile
  • Adreßbuch-Server

Jede Komponente muß richtig eingerichtet und konfiguriert werden, um richtig zu funktionieren. Der Rest dieses Artikels enthält Informationen zur Konfiguration der Mail-Server-Komponenten des AS/400-POP3-Servers. Die Einstellungen sind zwar nicht unbedingt optimal, genügen aber, um Ihr Mail-System in Gang zu bringen. Weitere Informationen zum Abstimmen Ihres Systems auf eine bestimmte Anwendung finden Sie in Lit.-Hinw. [2].

Kommunikation einrichten: TCP/IP, SNA und IPX

Der AS/400-POP3-Server kann für die Kommunikation über TCP/IP, SNA oder IPX (d.h. NetWare) konfiguriert werden. Informationen zum Einrichten von TCP/IP finden Sie in Lit.-Hinw. [2], Kapitel 3. Besondere Aufmerksamkeit sollten Sie dabei den Abschnitten über Host-Tabelleneinträge, Lokale Domänen und Host-Namen widmen. Sehen Sie sich auch das Redbook Lit.-Hinw. [3] an, das noch genauer auf die Erfordernisse der TCP/IP-Installation eingeht. Informationen zum Einrichten von Client Access SNA-Verbindungen finden Sie in Lit.-Hinw. [2] und in der Client Access Online-Hilfe. Weitere Informationen über IPX auf der AS/400 sind im Handbuch Lit.-Hinw. [4] zu finden, das eine schrittweise Beschreibung der Installation eines IPX-Netzwerks auf einer AS/400 enthält.

SMTP einrichten

Die AS/400 verwendet SMTP, um E-Mail vom und zum Internet zu leiten, und die Mail-Clients verwenden SMTP, um Mail zum POP3-Server zu senden. Zum Senden von Mail muß ein standardmäßiger Internet-Mail-Client deshalb so eingerichtet werden, daß er direkt mit dem SMTP-Server auf der AS/400 kommuniziert. Weitere Informationen über das Konfigurieren von SMTP auf der AS/400 finden Sie in Lit.-Hinw. [2] und [3].

AnyMail Framework einrichten

Diese mit V3R2 eingeführte Funktion ermöglicht E-Mail-Clients, „Snap In“-Module zu benutzen, mit denen die AS/400 Mail für POP3 und OV/400 gemeinsam verarbeiten und die Systemeinrichtungen von OS/400 zur Verarbeitung nutzen kann. Die POP3-Server-Funktionen nutzen „Snap-Ins“ des OS/400 POP3-Servers, die die Interoperabilität zwischen MIME (Multipurpose Internet Mail Extensions) und OV/400-Mail ermöglichen. Diese Snap-Ins prüfen jede Nachricht, die auf der AS/400 entweder über SNADS oder SMTP empfangen wurde, und rufen je nach dem Typ der Empfängeradresse passende Routinen im AnyMail-Framework auf. Das AnyMeil-Framework muß eigentlich nicht speziell eingerichtet werden. Zu beachten ist nur die Anzahl der QMSF-Jobs (d.h. Mail-Jobs), die im Subsystem QSYSWRK gestartet werden, wenn die AS/400 gestartet wird, oder wenn der AS/400-Mail-Server mit dem Befehl STRMSF (Mail-Server-Funktion starten) gestartet wird. Sie können die Anzahl der QMSF-Jobs festlegen, die sich die Arbeit im Mail-System teilen. Standardmäßig werden drei Jobs gestartet. Dieser Wert kann für intensiv genutzte Mail-Server ggf. erhöht werden.

POP3-Server einrichten

Der AS/400-POP3-Server bietet einen Mechanismus, um Mail an POP3-Clients zu liefern. Jeder POP3-Benutzer auf der AS/400 hat eine eigene Mailbox. Nachdem sich ein POP3-Client beim Server angemeldet hat, werden die Inhalte der Benutzer-Mailbox an den Client weitergeleitet, und der Client fordert die Übertragung der Nachrichten an. Je nachdem, welche Client-Verbindung Sie verwenden, können Sie vier verschiedene Arten von POP3-Servern starten. Zum Konfigurieren des POP3-Servers und zur Auswahl des Servertyps wird der Befehl CHGPOPA (POP-Server-Attribute ändern) verwendet. Abbildung 1 zeigt die Bedienerführungsanzeige des Befehls. Die im Subsystem QSYSWRK gestarteten Serverjobs werden durch die im Befehl CHGPOPA getroffene Auswahl festgelegt. Die folgende Aufstellung enthält die verschiedenen Typen von Serverjobs und die zugehörigen Parameter (für die restlichen Parameter können Sie die in Abbildung 1 gezeigten Standardwerte übernehmen). Weitere Informationen über die Anpassung dieser Parameter an Ihre speziellen Anforderungen finden Sie in Lit.-Hinw. [2].
Standard POP-Verbindung (Parameter ALWSTDCNN – Standard-POP-Verbind. zulassen): Wird dieser Parameter auf *YES gesetzt, so werden POP3-Server-Jobs gestartet, die auf TCP/IP-Port 110 reagieren. Diese Jobs können mit dem Befehl WRKACTJOB (Mit aktiven Jobs arbeiten) gefunden werden. Die Namen von POP3-Server-Jobs beginnen mit QTPOP.

Client Access Server-IP-Verbindungen (Parameter HOSTSVRCNN – Verbindung zum Host-Server): Dieser Servertyp wird durch den Wert *IP für den Parameter ausgewählt. Es wird ein Server-Job gestartet, der auf TCP/IP-Port 110 auf eine Verbindungsanforderung eines Clients wartet, der die Client Access MAPI-Service-Provider benutzt. Die Namen von Client Access-Server-IP-Jobs beginnen mit QTPOC.

Client Access IPX-Verbindungen (Parameter HOSTSVRCNN – Verbindung zum Host-Server): Dieser Servertyp wird durch den Wert *IPX für den Parameter ausgewählt. Es wird ein Server-Job gestartet, der auf Client-Anforderungen über eine IPX-Verbindung durch Client Access reagiert. Die Namen von Client Access-Server-IPX-Jobs beginnen mit QTPOI.

Client Access SNA-Verbindungen (Parameter HOSTSVRCNN – Verbindung zum Host-Server): Dieser Servertyp wird durch den Wert *SNA für den Parameter ausgewählt. Es wird ein Server-Job gestartet, der auf Client-Anforderungen über eine SNA-Verbindung durch Client Access reagiert. Die Namen von Client Access-Server-SNA-Jobs beginnen mit QTPOSNA.  Sie können auch alle drei Client Access-Servertypen auswählen, indem Sie den Parameter HOSTSVRCNN auf *ALL setzen. Bedenken Sie aber, daß für jede ausgewählte Verbindungsart die im Parameter Ursprüngliche Anzahl Server angegebene Anzahl von Jobs gestartet wird. Es empfiehlt sich daher, nur die Server für die Verbindungstypen zu starten, die tatsächlich genutzt werden, um unnötiges Beanspruchen von Systemressourcen zu vermeiden. Der Parameter Adreßbuch (ADRBOOK) aktiviert den Adreßbuch-Server, der von dem mit Client Access für Windows 95/NT gelieferten Lotus Mail Client verwendet wird. Wenn Sie mit Lotus Mail arbeiten, setzen Sie den Parameter Aktiviert auf *YES, andernfalls auf *NO. Der Parameter Aktivierungsintervall legt fest, wie oft der Adreßbuch-Cache aktualisiert wird. Der Adreßbuch-Cache verbessert den Durchsatz beim Datentransfer zwischen Client und Systemverteilerverzeichnis (SDD), indem er im Hauptspeicher eine Kopie des SDD anlegt, auf die der Server schneller zugreifen kann. Die Cache-Daten werden in Unicode gespeichert, so daß sie nicht von EBCDIC konvertiert werden müssen, wenn sie empfangen oder in periodischen Abständen mit dem tatsächlichen SDD synchronisiert werden. Das Aktivierungsintervall legt den Zeitabstand fest, in dem die Cache-Daten mit dem SDD abgeglichen werden. Setzen Sie diesen Wert auf das Maximum, das Sie bei Ihrem System für annehmbar erachten. Wenn Sie Ihr SDD einmal täglich aktualisieren, ist ein Aktualisierungsintervall von 1440 Minuten (24 Stunden) angebracht. Wird die Aktualisierung mehrfach täglich vorgenommen, so wird vermutlich ein Intervall von 60 Minuten ausreichen. Es gilt abzuwägen, wieviel Verarbeitungszeit dem Aktualisierungsvorgang auf Ihrem System zugestanden werden soll. Bei einem sehr großen SDD könnte das Aktualisieren in Spitzenzeiten sehr viele Systemressourcen beanspruchen und deshalb unakzeptabel sein.

AS/400 SDD einrichten

Das SDD wird von den AnyMail-Framework-Snap-Ins verwendet, um das Ziel und den Benutzertyp für auf der AS/400 eingegangene E-Mail zu ermitteln. Die SDD-Einträge sind daher ein entscheidender Punkt für die erfolgreiche Auslieferung von Mail. Sie enthalten die Leitweg-Informationen, die festlegen, ob eine Adresse lokal oder remote ist, und ob der Empfänger von lokaler Mail ein SMTP/MIME- oder OV/400-Benutzer ist. Es ist daher sehr wichtig, für jeden Benutzer einen korrekten SDD-Eintrag zu erstellen. Die Abbildungen 2 bis 4 zeigen die Einstellungen, die erforderlich sind, um einen POP3-Benutzer so einzurichten, daß er Internet-Mail über den POP3-Server empfangen kann. Um einen Benutzer zum SDD hinzuzufügen, wählen Sie den Befehl WRKDIRE (Mit Verzeichniseinträgen arbeiten) und die Auswahl 1 (Hinzufügen). Daraufhin erscheint der in Abbildung 2 gezeigte Bildschirm. Hier füllen Sie die Felder Benutzer-ID/Adresse, Beschreibung, Systemname/Gruppe und Benutzerprofil aus. Alle anderen Felder sind für wahlfreie Angaben. Um die SMTP-Adresse eines Benutzers zu ermitteln, drücken Sie Shift-F7 zum Anzeigen des SMTP-Adressen-Bildschirms.  Nach dem Eintrgen der Benutzerdaten in der Anzeige in Abbildung 2 fahren Sie mit dem nächsten Bildschirm fort (Abbildung 3), in dem Sie die bevorzugten Einstellungen eingeben. Für einen POP3-Client setzen Sie den Parameter Postfunktionsstufe auf 2 (Systemnachrichten speichern) und den Parameter Bevorzugte Adresse auf 3 (SMTP-Name). Bei einer SNADS-Verbindung mit Lotus Mail-Client für Client Access kann für Bevorzugte Adresse auch 1 (Benutzer-ID/Adresse) gewählt werden, weil der Lotus Mail-Client SNADS-Adressierung unterstützt. Die Auswahl 4 (Weitere bevorzugte Adresse) können Sie ignorieren. Wenn Sie einem Benutzer eine alternative Adresse geben wollen, müssen Sie einen zweiten SDD-Eintrag mit dieser Adresse erstellen. Nachdem Sie die bevorzugten Einstellungen eingegeben haben, drücken Sie F19, um die SMTP-Alias-Tabelle zu aktualisieren, und die Benutzer-ID und E-Mail-Adresse für den zum SDD hinzugefügten Benutzer zu definieren (Abbildung 4). Dieser Schritt ist für SNA-Clients nicht erforderlich. Adressen können in Großbuchstaben, Kleinbuchstaben oder gemischter Schreibweise eingegeben werden. Die SMTP-Benutzer-ID kann sich vom Benutzerprofilnamen unterscheiden; das System findet die Beziehung zwischen Benutzerprofil und SMTP-Namen über den SDD-Eintrag des Benutzers.

AS/400-Benutzerprofile einrichten

Der POP3-Server benutzt das AS/400-Benutzerprofil, um einen Benutzer bei der POP3-Anmeldung zu identifizieren. Für jeden lokalen E-Mail-Benutzer muß mit dem Befehl CRTUSRPRF ein Benutzerprofil angelegt werden. POP3-(SMTP/MIME)-Benutzer melden sich nicht notwendigerweise bei der AS/400 an – im Gegensatz zu OV/400-Benutzern. Wenn Sich ein POP3-Benutzer nicht für andere Aufgaben bei der AS/400 anmelden muß, kann das Benutzerprofil als „Log-Off-Profil“ erstellt werden, indem der Parameter Startmenü auf *SIGNOFF gesetzt wird, was eine Anmeldung beim System verhindert. Nachdem Sie den POP3-Mail-Server und die zugehörigen Komponenten eingerichtet haben, können Sie die Mail-Fähigkeiten der AS/400 nutzen. Das Einrichten der AS/400 als POP3-Mail-Server ist ein einfacher Vorgang. Wenn Sie den in diesem Artikel dargestellten Schritten folgen, kann Ihre AS/400 bald als „Postamt“ für die verschiedensten E-Mail-Clients dienen und gleichzeitig OV/400-Benutzern den Übergang zu TCP/IP-E-Mail und zum Internet ermöglichen. übersetzt und für den deutschen Markt bearbeitet von Mathias Spateneder

Literaturhinweise

    [1] Die AS/400 bringt die Post, News/400, Mai 1997 [2] TCP/IP-Konfiguration Referenzhandbuch, (SC42-2057, Online: QB3GNL00) [3] IBM AS/400 TCP/IP Configuration and Operation (Redbook GG24-3442-01) [4] Internet Packet Exchange (IPX) Support (SC41-3400-02)

 

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