Frage
Wir haben in unserem neuen Bürogebäude vor dem Einzug ein ausgedehntes Wireless Netzwerk installiert. Wir glaubten, alles richtig gemacht zu haben, indem wir in dem noch nicht bezogenen Gebäude eine Funkuntersuchung und intensive Tests der Netzabdeckung vorgenommen haben. Nun aber, nachdem das Gebäude bezogen ist, erbringt das Netzwerk nur eine äußerst unzureichende Leistung. Die Benutzer empfangen zwar starke Signale, aber sie verlieren häufig die Verbindung zueinander und die gesamte Netzperformance ist schlecht. Wie lässt sich diese kostspielige Investition retten?
Antwort
Aus der Sicht von Dr. I. Doctor erscheint es so, als ob Sie sich entschieden hätten, die Angelegenheit als Do-it-yourself Projekt abzuwickeln. Offensichtlich ist dabei aber leider die Grundlagenforschung vor dem Projektstart etwas zu kurz gekommen. Sie haben zwar die richtigen Schritte durchgeführt, unglücklicherweise aber nicht in der richtigen Reihenfolge. Erfahrene WiFi-Netzwerkimplementierer wissen, dass Funkuntersuchung und Platzierung der Access Points erst vorgenommen werden können, wenn sich alle zu erwartenden Einrichtungsgegenstände bereits in den Büroräumen befinden. Die Durchführung dieser Schritte in einem leeren Gebäude ist praktisch nutzlos, da sich die Ausbreitung von Radiowellen in einem eingerichteten Gebäude völlig unterschiedlich verhält.
RF Wellen werden von allen metallischen und gegebenenfalls auch von dichten nichtmetallischen Gegenständen wie Glas oder dickem Holz abgelenkt bzw. reflektiert. Zu einem Zeitpunkt, als das Bürogebäude noch leer war, konnte quasi an jedem beliebigen Ort das 802.11 Signal direkt von einem Access Point empfangen werden. Nachdem aber Möbel und alle anderen Einrichtungsgegenstände aufgestellt waren, wird das WiFi Signal nun von allen möglichen Gegenständen reflektiert und abgelenkt. Vergleichen lässt sich dieses Verhalten am besten mit einem Flipper-Automaten, bei dem gleichzeitig zehn Kugeln im Spiel sind. APs können in einem solchen Umfeld durch die Reflektionen mehrere Kopien eines RF Signals erhalten. Man bezeichnet dies auch als Multipath Interferenz. Ein deutliches Anzeichen für das Vorliegen eines solchen Problems ist eine hohe Anzahl von CRC-Fehlern (Cyclic Redundancy Check) in den WiFi Statistiken sowie daraus folgende wiederholte Übertragungen.
Die Beseitigung von Multipath Interferenzen ist aber in der Tat nicht einfach. Der Ansatz mit den besten Erfolgsaussichten ist die komplette Deinstallation des Wireless Netzes, die erneute Durchführung einer Funkuntersuchung und Neuaufstellung der APs (entsprechend den Daten, sie sich aus der erneuten Funkuntersuchung ergeben haben). Andererseits ist die beste Lösung nicht immer erschwinglich oder praktikabel. Vielleicht lohnt sich auch der Versuch einer möglichen Umgehung des Problems, bevor eine komplette Netzwerküberarbeitung in Angriff genommen wird.
Viele WiFi APs unterstützen als zusätzliches Feature den Anschluss so genannter Diversity Antennen, mit denen sich Multipath Interferenzen bekämpfen lassen. Auch APs, die nur mit einer Antenne geliefert wurden, verfügen oft über einen zweiten Eingang, der den Anschluss einer weiteren Antenne zu überschaubaren Kosten erlaubt. Die zweite Antenne erlaubt dann der AP Elektronik, Multipath Signale auszufiltern, indem sie die von beiden Antennen empfangenen Signale vergleicht und automatisch das verlässlichere von beiden auswählt.
Damit dieses Verfahren funktionieren kann, muss die zweite Antenne in einem bestimmten Mindestabstand von der ersten Antenne sowie mit einer bestimmten Ausrichtung installiert werden. Die hierzu erforderlichen Angaben finden sich meist in der vom AP-Hersteller mitgelieferten Dokumentation. Denken Sie daran, dass in der AP Einheitenkonfiguration gegebenenfalls Einstellungen vorgenommen werden müssen, damit die Software im Diversity Betriebsmodus arbeiten kann.
Sollte aber die Installation und Aktivierung solcher Diversity Antennen nicht zum gewünschten Erfolg führen, sehen Sie sich letztendlich dann doch mit der Aufgabe eines kompletten Netzwerk Redesigns konfrontiert. Widerstehen Sie der Versuchung, die existierenden AP Antennen experimentell in den Räumen umher zu bewegen, da die Verbesserung des Signals für einen Benutzer gleichzeitig das Auftreten von Interferenzen für einen anderen Benutzer bedeuten kann. Eine komplette Neuuntersuchung des gesamten Gebäudes, gefolgt von einem vollständigen Redesign des Netzes – wobei auch sorgfältig auf Vermeidung sich überlappender Kanal-Domänen geachtet werden sollte – ist der einzig wirklich sichere Weg zur Lösung Ihres Problems.
![Künstler Burgy Zapp [http://burgyzapp.de]](http://newsolutions.de/it/wp-content/uploads//re1_Tisch-im-Bahnhof_Z_sw_o_Negativ-300x300.jpg)


