von Frank Soltis
Wie sieht die Zukunft der AS/400 aus? Einen Blick in die Gestaltung der nahen Zukunft gewähren die verschiedenen Features der Version 4. Dieser Artikel beschäftigt sich mit einigen der Highlights. In Punkto Hardware wurden zwei Schwerpunkte gesetzt: Wachstum am High-End und Verbesserung des Preis/Leistungsverhältnisses.
Version 4 läuft ausschließlich auf den RISC-Modellen. Die offizielle Ankündigung von V4R1 und den neuen RISC-Systemen hat IBM Ende August vorgenommen, während an der Folgeversion in den Labors bereits mit Hochdruck gearbeitet wird.
Network Computing
Ein großer Teil der mit Version 4 angekündigten Zusatzfunktionalitäten dient der Unterstützung des Network Computing Anwendungsmodells. Network Computing stellt eine Form des Client/Server Computings dar, die einen großen Teil der Kosten und Schwierigkeiten, die mit dem traditionellen Client/Server Modell verbunden waren, eleminiert.Dies wurde dank einer Nutzung der Technologien des Internets und des World Wide Web möglich. Tatsächlich wird Network Computing auch schon als „die nächste Generation des Client/Server Computings“ bezeichnet. Wer heute die Meinung vertritt, daß Network Computing im Geschäftsleben einen noch größeren Einfluß auf die Datenverarbeitung haben werde, als einst die PC-Revolution, steht mit seiner Meinung keineswegs allein.
In den Geschäftsleitungsetagen erkennt man jedoch nicht nur die neuen Möglichkeiten, die das Internet bietet, sondern wird sich gleichzeitig auch der Vorzüge bewußt, die ein im eigenen Unternehmen implementiertes Intranet bieten kann. Ein Intranet setzt Internet-Technologien auf einem lokalen bzw. unternehmensweiten privaten Netzwerk ein. Diese Entwicklung bildet den Hintergrund für den immer deutlicher werdenden Trend zum elektronischen Business (e-Business).
Sobald über das Internet Unternehmensdaten ausgetauscht werden sollen, erhält die Sicherheitsfrage oberste Priorität. Mit Version 4 verbessert IBM die AS/400 Network Sicherheit sowohl als Teil des Grundsupports, der mit OS/400 ausgeliefert wird, als auch in Form separater Produkte. So bildet die Authentizität des Hypertext Transfer Protocol (HTTP) einen integralen Bestandteil des Grundsupports von V4R1. Bei dieser Authentizität werden Benutzer-ID und Paßword abgefragt, wenn der Client auf eine geschützte Web-Seite zugreifen will. So können AS/400 Benutzerprofile oder eine separate Server-Benutzer-Zugriffsliste dafür verwendet werden, den Zugriff auf Web-Seiten auf Benutzerebene zu schützen.
Ein zusätzliches Produkt, der Internet Connection Secure Server for AS/400, ermöglicht eine gegenseitige Sicherheitsfreigabe zwischen Webbrowsern und Servern, erlaubt Web-Site Besitzern, den Zugriff auf ihren Server zu steuern und erlaubt einen Austausch sensitiver Information (z.B. Kreditkartennummern) zwischen Browser und Server bei gleichzeitigem Zugriffsschutz gegen Dritte. Diese Features bieten einen über die Basis Sicherheit hinausgehenden Schutz. Der Internet Connection Secure Server for AS/400 verwendet Netscapes Secure Socket Layer (SSL), um die oben erläuterten Sicherheitsfeatures zu gewährleisten.
Weitere AS/400 Sicherheitsprodukte bieten Hardware-unterstützte Verschlüsselung und Firewalls. Um die Sicherheitsstufe zu erhöhen, kann man auch einen Proxy-Server einsetzen. Bei diesem Szenario wird die Anfrage eines Web-Clients an den Web-Server zunächst an den Proxy-Server geleitet, der die Anfrage an den Web-Server weiterleitet und dann auf demselben Wege die Antwort zum Client zurückschickt.
Eine weitere Neuentwicklung der IBM für die AS/400 namens Net.Commerce wird es den Kunden ermöglichen, ihr eigenes Online-Einkaufssystem zu entwickeln. Dieses Produkt bietet Tools zur Erstellung und zum Unterhalt interaktiver Online „Verkaufsräume“. Mittels der Katalogerstellungsfunktion kann man Kategorien oder Abteilungen definieren, durch die der Kunde zu den verschiedenen Produkten geführt wird. Net.Commerce verwendet sowohl DB2/400, das die Kataloginformationen beinhaltet, als auch den Internet Connection Secure Server. Zusätzlich zu den hiermit gebotenen Sicherheitsfeatures setzt das Net.Commerce Produkt zum Schutz der Zahlungen über das Internet, das sogenannte SET (Secure Electronics Transaction) ein, ein Protokoll, das von Visa/Mastercard für die Sicherung von Kreditkarten-Transaktionen im Internet entwickelt wurde.
Groupware und Client/Server
Network Computing ist natürlich nicht das einzige heute von AS/400-Kunden genutzte Anwendungsmodell und Version 4 verbessert den für Groupware und Client/Server-Modelle gebotenen Support der AS/400. In punkto Groupware haben wir bei Version 4 den Schwerpunkt auf Domino gesetzt.
| Ein Kommentar von Frank Soltis zum Thema Groupware, sowie eine NEWS/400 Sonderveröffentlichung zu IBM Groupware-Lösungen können Sie über unsere NEWS/400 Web-Site http://www.news-400.de in der Rubrik Sonderveröffentlichung lesen, bzw. gratis abrufen. |
Bezüglich Client/Server war unser wichtigstes Anliegen, die Komplexität der Erstellung, Installation und Wartung von Client/Server-Anwendungen zu senken. In letzter Zeit vorgenommene Verbesserungen von Client Access, wie beispielsweise der Operations Navigator und das Projekt Lightning werden sich in dieser Hinsicht außerordentlich positiv auswirken. Client Access werden mit jedem neuen Release der Version 4 weitere Verbesserungen angefügt werden.
Anwendungsunterstützung
Ein beträchtlicher Anteil von IBMs Investitionen in Version 4 lag im Software-Bereich, um Verbesserungen in den Bereichen der Anwendungsunterstützung und Datenverfügbarkeit zu erzielen. Nachdem Java sehr rasch zur Universalsprache für Anwendungsentwicklung avancierte, ist der Support von Java auf dem System an oberste Position der wichtigen Produkte zur Anwendungsunterstützungs für die AS/400 aufgerückt. In der AS/400 Division setzen wir auf Java als unsere künftige Programmiersprache für objektorientierte kommerzielle Anwendungen und arbeiten daher an den entsprechenden Produkten mit erheblichem Einsatz. Interpretiertes Java mag sich für die meisten Client-Anwendungen recht gut eignen, doch läßt die Performance bei vielen Server-basierten Anwendungen zu wünschen übrig. Daher haben wir beschlossen, die AS/400 Java Run Time-Umgebung sowohl mit einem voll funktionsfähigen Compiler als auch mit einem Interpreter auszurüsten.
Bei der Integration von Java und Java Objekten in die AS/400 konnten wir die Single Level Speicherkapazität der AS/400 nutzen, um persistente Objekte in ähnlicher Weise zu unterstützen wie SOM Objekte (System Object Model). Infolgedessen benötigt die AS/400 beim Umgang mit Objekten weniger Instruktionen und weniger Plattenzugriffe als andere Systeme, so daß der Overhead gering bleibt. Ferner ist im Rahmen der Single Level Speicherung, wie sie auf der AS/400 realisiert wurde, keine Freigabe nicht mehr benötigter Ressourcen für die shared objects erforderlich. Aufgrund dieser besonderen Features dürfte die AS/400 als Java-Server gegenüber Servern ähnlicher Größe eine bessere Skalierbarkeit aufweisen, d.h. mehr Java-Anwendungen und Benutzer gleichzeitig bei geringerem Aufwand bedienen können.
Datenbank
In vielen Unternehmen hat sich bereits die Erkenntnis durchgesetzt, daß die laufenden Geschäftsdaten bei entsprechender Auswertung ein sehr wertvolles Gut darstellen können. So ist es kein Wunder, daß Data Warehousing- und Data Mining-Anwendungen die höchsten Zuwachsraten im kommerziellen IT-Bereich aufweisen können. Die DB2/400 deckt einen äußerst breit gespannten Einsatzbereich ab. Dieser beginnt am unteren Ende mit dem AS/400 Entry-System, das im direkten Wettbewerb zu PC-Servern und ihren PC-Datenbanken steht, und endet am anderen Extrem mit einer massiv-parallelen Prozessorkonfiguration (MPP), die bis zu 32 Systeme in einem Cluster mittels OptiConnect verbindet. Nachdem jedes dieser Systeme ein oder mehrere Terabyte-Festplatten in die Konfiguration einbringt, kann die Gesamtgröße der Datenbank alle noch vor wenigen Jahren bestehenden Vorstellungen bei weitem übertreffen. (In einer unserer nächsten Ausgaben berichten wir im Detail über die Verbesserungen von DB2/400, die V4 mit sich bringt.)
In der unmittelbaren Zukunft will IBM die Performance von DB2/400 weiter verbessern, insbesondere die SQL-Performance. Eine weitere Herausforderung, der künftig mit DB2/400 entsprochen werden muß, stellt der Umgang mit komplexen Datentypen wie Objekten dar.
Wachstum am High-End
Der Leistungs- und Kapazitätszuwachs der AS/400 wird die Entwicklung der in diesem Artikel besprochenen neuen Software-Technologien ermöglichen. Infolge neuer Anwendungsmodelle und dem Wachstum der Großkunden wird die Leistungsgrenze der AS/400 immer weiter angehoben. Wir antworten auf die an die AS/400 gestellten Anforderungen mit einem geradezu unglaublichen Wachstum der Version 4, das sowohl durch Single System Verbesserungen bei Einzelsystemen als auch durch die Nutzung von Cluster-Technologien realisiert wird.
Einzelsysteme
Mit Version 4 konnten wir die Verarbeitungsleistung der AS/400 um beinahe das fünffache steigern, was jedoch nur einen Auftakt zu weiteren künftigen Leistungssteigerungen bilden dürfte. Seit Einführung der Client/Server Technologie in den frühen 90er Jahren stieg die Zahl der rechenintensiven AS/400 Anwendungen stetig. Den neuen Anforderungen wurde einerseits durch die Server-Modelle, andererseits jedoch durch den Power-PC entsprochen. 1995 kündigte IBM die erste Generation der Power-PC RISC-Prozessoren für die AS/400 an. Die heutige Version 4 beinhaltet die zweite und dritte Generation der Power PC Prozessoren.
Um für die 8 und 12 Wege Prozessoren eine skalierbare SMP Performance (Symetric Multiprocessing) zu erreichen, setzen wir auf der AS/400 ein innovatives neues Speichersubsystem ein. Die heutigen 12-Wege-Apache-Systeme stehen IBMs größten Mainframe-Systemen in punkto Performance in nichts nach.
Die Prozessoren der dritten Generation sind bis zu einer 16-Wege Konfiguration skalierbar. Die dritte Generation der 64-Bit-Power-PC Processoren erbringt eine Leistungsbreite von 250 Mhz im unteren Bereich bis hin zu 700 Mhz im oberen Bereich. In den kommenden Jahren erwarten wir dramatische Performance-Steigerungen. Doch Processor-Performance ist nicht alles. In Rochester legen wir großen Wert auf gut ausbalancierte Systeme. Daher müssen Hauptspeicher, Festplattenspeicher und Ein-/Ausgabefähigkeit mit der höheren Prozessorleistung Schritt halten.
Cluster und ständige Verfügbarkeit
Wo die Leistung einzelner Systeme nicht ausreicht, kann man auch bis zu 32 AS/400s in einem Cluster zusammenschließen. Ein AS/400 Cluster bietet eine hervorragende Möglichkeit für weitere Performance- und Kapazitätssteigerungen, doch werden Cluster auch zunehmend im Hinblick auf eine ständige Verfügbarkeit bei AS/400-Kunden eingesetzt, die einen 24-Stunden, 7 Tage in der Woche-Betrieb benötigen. Um den Anforderungen einiger weniger AS/400-Großkunden gerecht zu werden, lieferte IBM erstmals Mitte 1994 die OptiConnct Cluster-Technologie aus. Seither hat diese Technologie rasch an Boden gewonnen. Heute gibt es weltweit einige riesige OptiConnect-Installationen mit der AS/400. Bei einem AS/400-Kunden befindet sich ein Cluster mit mehr als 20.000 angeschlossenen Terminals im Einsatz, an denen fast 1 Mio. Transaktionen pro Stunde bearbeitet werden – ein wirklich großes System. Tritt in einer solchen Konfiguration hardware- oder softwareseitig ein Ausfall auf, so wird die Verarbeitung automatisch auf eine andere AS/400 im Cluster umgeschaltet.
Preis/Leistungssteigerungen
Zuletzt möchte ich noch auf unsere Bestrebungen, das Preis/Leistungsverhältnis der AS/400 weiter zu verbessern, eingehen. Die PC-Industrie setzt heute die Maßstäbe für den Preis/Leistungsstandard im Server-Bereich. Nach Intel-basierten Servern unter WindowsNT richten sich alle anderen Server in der Industrie. Gegenüber den PC-Servern nimmt die AS/400 in punkto Preis/Leistungsverhältnis bereits eine sehr gute Position ein, die wir jedoch zum Beispiel durch die Einführung der neuen physischen AS/400-Pakete, die mit Version 4 angekündigt wurden, weiter ausbauen wollen. Die RS/6000 verwendet dieselben Gehäuse, und die meisten Komponenten in diesen Gehäusen sind ebenfalls für beide Systeme gleich. Durch die Verwendung derselben Hardware können wesentliche Kosteneinsparungen erzielt werden.
Ferner hat IBM eine neue SSA (Serial Storage Architecture) eingeführt, die bereits in einigen IBM-Systemen Verwendung findet. Die Verwendung von SSA für den Anschluß von Festplatten an die AS/400 senkt die Anschlußkosten und erhöht die Performance. Im Laufe der Zeit sollen auch andere Speichergeräte von SSA profitieren, z.B. die neuen Disk Array Controlers. Diese Maßnahmen führen nicht nur zu einer Kostensenkung und Performancesteigerung sondern bieten auch neue kostengünstige RAID-Lösungen für alle unsere Systeme.
Eine I/O-Technologie, aus der wir weitere Preis/Leistungsverbesserungen schöpfen, ist die Kompressions-Technologie. Die Datenkompression ermöglicht einen effizienteren Einsatz der Speichermedien wie Festplatten. Ein optimaler Nutzen kann erzielt werden, wenn die Kompression und Dekompression ohne Leistungsverluste durchgeführt werden können. IBM hat einen schnellen, sehr zuverlässigen Datenkompressions-Chip entwickelt. Er enthält einen Algorithmus, der für Speichersysteme entwickelt wurde und diese Anforderungen an Leistung und Zuverlässigkeit erfüllt.
Zusammenfassung
Mit Version 4 beginnt eine neue Generation von AS/400 Modellen. Vielen der jetzt vorgenommenen Verbesserungen an der AS/400 lag der deutlich sichtbare Trend zum Network Computing zugrunde. Die Nutznießer dieser Verbesserungen sind letztendlich die AS/400-Kunden, unabhängig davon, welche Modelle sie jeweils einsetzen. In diesem Artikel konnte ich nur einige der Verbesserungen, die die Version 4 mit sich bringt, ansprechen.
In der heutigen Zeit ändert sich die Art, Geschäfte abzuwickeln, sehr rasch, und die eingesetzte Computer-Technologie muß mit den neuen geschäftlichen Strukturen Schritt halten. Wir leben auch in der Ära der „Web-Jahre,“ in der sich die Dinge so schnell verändern, daß wir jetzt unsere Entwicklungszyklen in 3 Monate umfassenden „Web-Jahr“-Zeitabschnitten messen. Es würde keinen von uns überraschen, wenn sich in den nächsten Jahren weitere Veränderungen ergeben, die wir heute noch nicht einmal vorhersagen können.
Dieser Artikel ist ein Exzerpt der zweiten überarbeiteten Ausgabe von Inside the AS/400 von Frank G. Soltis, dessen deutsche Ausgabe im Oktober bei DUKE Press, DUKE Communications GmbH, erscheint. Der für IBM Rochester tätige Frank Soltis entwickelte die Technologie der AS/400-Architektur und hat als zentrale Figur bei der Entwicklung der S/36 und der AS/400 mehr als 27 Jahre lang Pate gestanden. Er hat einen PhD in Electrical Engineering und ist auch Professor für Computer-Technologie an der University of Minnesota.
übersetzt von Isabella Pridat-Zapp
![Künstler Burgy Zapp [http://burgyzapp.de]](http://newsolutions.de/it/wp-content/uploads//pa4_sw_IMG_0058-300x300.jpg)


