Die neuen Scale-Out Server-Modelle mit POWER9 Prozessoren

31. Mai 2018 | Von | Kategorie: IBM Announcements, Leitartikel

IBM hat die neuen Server-Modelle mit POWER9 Prozessoren für geschäftskritische Unternehmensanwendungen ­konzipiert und besonders optimiert im Hinblick auf die Einsatzbereiche Big Data,Analytics und künstliche Intelligenz im täglichen Geschäftsbetrieb, die Nutzung einer Hybrid Cloud, die Fähigkeiten einer Modern Data Platform sowie als gemischte ­Betriebssystemumgebung unter anderem für SAP Business Workloads mit SAP HANA.

CC BY-SA 2.0 Kin Lane & Burgy Zapp

von Isabella Pridat-Zapp

Diese Systeme ermöglichen somit Infrastruktur­lösungen, die neben der Verarbeitung von Geschäftstransaktionen auch Social und Mobile Lösungen mit IBM i, AIX und Linux Betriebssystem-Umgebungen ausführen. Folgende Server wurden vorgestellt: S922, S914, S924, L922, H922 und H924.

Die neuen Modelle haben wieder sprechende Namen, die S-Modelle für Scale-Out, die L-Modelle für Linux-only und jetzt auch neu die H-Modelle: die H922 und H924. H kann man inoffiziell als Hinweis auf „HANA“ werten. Ferner wird die gleiche Namensgebung wie unter POWER8 verwendet. Zum Beispiel steht die „9“ bei der S924 für POWER9 Prozessortechnologie, die „2“ für 2 Sockel und die „4“ für die Höheneinheiten/Units im Rack. Siehe Abbildung 1.

Abb. 1 – Die POWER9 Scale-Out Modelle

Das besondere an den H-Modellen ist, dass sie zwischen den S und den L Modellen liegen. Die S-Modelle können die Betriebssysteme IBM i, AIX und Linux fahren und das L-Modell L922 ist Linux-only.

Bei den H-Modellen kann man bis zu 25% der Prozessorkerne auch für AIX, respective IBM i nehmen und somit stellt das H-Modell eine Art Konsolidierungsplattform dar, um entsprechend bereits vorhandene mit einer neuen Workload zu verknüpfen. So könnte zum Beispiel ein Unternehmen, das in Richtung SAP migriert, dann seine Ressourcen verschieben und braucht dafür nicht zwei Systeme – zum Beispiel nimmt man eine H924 mit 20 Cores und belegt dann 2 davon für IBM i und die restlichen 18 für HANA und SAP.
Anzumerken ist hier noch, dass die S914 sowohl als Rack-Version als auch als Tower Version verfügbar ist. Die anderen Modelle nur als Rack-Version. Siehe ­Abbildung 2.

Abbildung 2 – POWER9 Prozessor Features

Auf dieser Abbildung ist im Textblock rechts oben mit der Überschrift „Leadership Hardware Acceleration Platform“ ausgedrückt, was IBM mit Hilfe der darunter genannten Features erreichen will und auf welche Anwendungsbereiche dieser Chip abzielt. Man hat hier die moderne Workload in Richtung künstlicher Intelligenz und high-performance Computing und diese hohen Bandbreiten in den Vordergrund gestellt. Die Akzelleratoren sind ja nicht nur in diesem Bereich entsprechend wichtig, sondern helfen auch ganz allgemein in Zukunft Anwendungen zu beschleunigen.

Es sind ja nicht nur die GPUs von NVIDIA sondern auch FPGA, und es können auch andere Akzelleratoren sein, die man entsprechend anbinden kann.
Ganz generell kann man den POWER9 Chip ­entweder als 24 SMT4 Core Chip oder als 12 SMT8 Core Chip betrachten – siehe Abb. 3

Abbildung 3 – Implementierungs-Varianten des Chips

IBM hat aus der Erfahrung heraus die Variante mit 24 Kernen mit SMT4 für Linux-only Modelle vorgesehen (auch AC922) und die 12-Kern Variante mit entsprechend größeren Caches mit SMT8 für die klassische Workload, sowohl der Scale-Out als auch der noch anzukündigenden Scale-Up Modelle vorgesehen, da dann die ganze Speicherarchitektur besser zur klassischen Workload passt und datenintensive Anwendungen eher von größeren Caches profitieren, als beispielsweise high-performance Computing oder Cognitive Computing.


Dr. Wolfgang Rother, Senior IT Specialist Power Systems

“Ich persönlich bin besonders beeindruckt von dem 4TB Hauptspeicher, was diese POWER9 Systeme hervorragend für den SAP Markt positioniert.”


Ralf Dannemann, Direktor Power Platform Market DACH

„Große Dinge stehen an im Bereich der Power Server. Einen POWER9 Server kündigten wir bereits im Dezember letzten Jahres an. Das Modell AC922 wurde für sehr spezielle Anforderungen im Bereich high-performance Computing und Cognitive Computing im Gebiet von AI, Artificial Intelligence, entwickelt. Im Februar 2018 und im März 2018 auf der Think 2018 in Las Vegas stellte IBM eine ganze Reihe neuer Scale-Out Server vor, die IBM i, AIX, respective Linux unterstützen und nicht nur unter Linux laufen, wie die AC922. Das ist natürlich für die breite Masse der Power-Kunden und des Marktes noch wesentlich interessanter.
IBM hat auch in der Vergangenheit zuerst die kleineren und dann die größeren Server angekündigt. So werden den jetzt angekündigten Scale-Out Servern mit POWER9 Prozessoren in guter Tradition als zweiter Step dann zu Beginn des 2. Halbjahres die Scale-Up, Enterprise Server folgen.“


Die Memory Technologie in 1- und 2-Sockel Servern

In der Server-Familie mit den POWER9 Chips wurden unterschiedliche Memory Architekturen implementiert. Die Scale-Out Modelle arbeiten mit der Industrie Standard Memory und die Scale-Up Modelle mit der Buffered Memory der IBM. Siehe Abbildung 4.

Abbildung 4 – Zwei Memory Architekturen

Dies bedeutet, dass die Memory Bandbreite der Scale-Out Modelle kleiner ist, als die der POWER8 ­Modelle. Allerdings wird diese geringere Bandbreite durch die höhere Bandbreite im Chip und durch die höhere Bandbreite im Prozessor selbst ausgeglichen, so dass man insgesamt bei diesen Systemen gegenüber POWER8 mit einer höheren Leistung rechnen kann. Dies zeigt sich auch in den veröffentlichten Performance-Werten. Siehe Abbildung 5.

Offenbar wurde der IBM immer wieder vorgeworfen, dass die Speicher Bausteine im Vergleich zum Wettbewerb zu teuer seien und der Wunsch nach preisgünstigeren Memory Bausteinen im Entry Bereich wurde laut. Als Reaktion darauf hat IBM beschlossen, die Scale-Out Server mit der weniger leistungsfähigen Memory Architektur auszustatten und sich für diese Industrie Standard-Bausteine entschieden, die aber immer noch für die Workloads in diesem Bereich ausreichen. Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, sollen die noch anzukündigenden IBM Power9 Enterprise Modelle weiterhin mit der teureren und leistungsfähigeren Buffered Memory Architektur der IBM ausgestattet werden.

POWER9 Chip – Leistung im Vergleich zu x86

Der POWER9 Chip wurde als bisher einziger Chip speziell für das AI Zeitalter (KI – Künstliche­­­-Intelligenz) entwickelt. Im Vergleich zu x86 bewältigt er das 4-fache an Threads pro Core, hat mindestens das 5-fache an I/O Bandbreite und verfügt über fast das Doppelte an Memory Bandbreite. Der POWER9 Chip verfügt ferner mit OpenCAPI, NVLink 2.0 und PCIe Gen4 über I/O Anschlüsse, auch zu Akzelleratoren, die der Wettbewerb so nicht hat. Dieser Prozessor ist also wesentlich besser als das, was der x86 Markt zur Zeit zu bieten hat. Siehe Abbildung 6.

In diesem Bereich in dem Akzelleratoren eingesetzt werden, liegen die POWER9 Maschinen wesentlich besser mit einer bis zu 5,6fachen Beschleunigung gegenüber PCIe Gen3, das heisst die Maschinen können wesentlich besser mit Daten arbeiten als bisher und das hängt mit der Anbindung der GPUs zusammen, die IBM in Zusammenarbeit mit NVIDIA realisiert hat. Weitere high-speed Verbindungen zu Akzelleratoren bieten das CAPI und das OpenCAPI Interface, welches innerhalb der OpenPOWER Foundation entwickelt wurde. In dieser Richtung sind eventuell Ankündigungen für diese Klasse von Servern im Laufe der nächsten Jahre zu erwarten. Ein Beispiel für die Verwendung der CAPI Schnittstelle mit POWER8 war die extrem schnelle Verbindung zu Flash Storage in der IBM Data Engine for NoSQL. Siehe Abbildungen 7, 8a und 8b.

Abbildung 6 – POWER9 mit 2nd Generation NVLink

 

Abbildung 7: Beschleunigung und Einsparung mit CAPI

 

Abbildung 8a: Der NVMe Flash Akzellerator von IBM ist fast um das fünffache effizienter bei der Abarbeitung von I/O-Vorgängen als traditioneller Speicher

 

Abbildung 8b: NVMe Flash mit CAPI beschleunigt

Single-Chip versus Dual-Chip

Im Unterschied zu POWER8 haben wir jetzt Single-Chip Module, statt Dual-Chip Module wie unter POWER8 in dieser Klasse. ­POWER8 hatte bei den 1- und 2-Sockel Servern im Prinzip 2 Chips auf ­einem Träger, d.h. auf einem Sockel und das Negative dabei war nicht nur, wie man vielleicht vermuten möchte ein Performance Issue, sondern, dass Oracle bei der Lizenzierung nicht die Anzahl der Sockel zählt und sondern die Anzahl der Chips, so dass sich 4 Chips ergaben und die Lizenzkosten bei Oracle entsprechend höher waren, als wenn IBM Single-Chip-Module (SCM) verwendet hätte. Der Vorteil eines SCM ist auch, dass wenn man statt zwei „6-Core-Chips“, nur einen Chip mit 12 Cores verwendet, der Austausch von Daten effektiver ist, weil diese ja jetzt näher zusammenliegen. Insofern ergaben sich durch den Einsatz von Single-Chip Modulen Performance Vorteile gegenüber POWER8.

Abbildung 9 – Potentielle Märkte für CAPI

Dynamic Performance Mode

Ferner gibt es noch neue Features in Richtung Frequenzen. Inzwischen gibt IBM keine festen Frequenzen mehr vor, sondern es gibt einen minimal- und einen maximal-Bereich. Man versucht, wie bei anderen Herstellern auch, die beste Performance zu erlangen und die hängt meist ab von der Frequenz, d.h. die höhere Taktfrequenz erzielt mehr Leistung. Aber die höhere Frequenz verbraucht auch mehr Energie – dieser erhöhte Energieverbrauch erzeugt auch mehr Wärme und bei stärkerer Erwärmung geht der Chip schneller kaputt. Sollte ein Kern kurz davor sein sich zu stark zu erhitzen, werden Maßnahmen ergriffen, um die Taktfrequenz wieder zu senken oder andere Kerne zu beschleunigen und der erhitzte Kern kann wieder abkühlen. Entsprechende Algorithmen werden in den neuen Modellen verwendet und jeder kann selbst entscheiden, wie er den Server betreiben will – energiesparend oder auf maximale Performance ausgerichtet. Das Feature heißt Dynamic Optimized Frequency und wurde ­bereits in POWER8 eingeführt aber für POWER9 nochmals verbessert.

Günstige Konstellation

Die Memory Kapazitäten, also die Größe des Hauptspeichers der Systeme, beträgt heute 2 TB pro Sockel, was bedeutet, dass eine 2-Sockel Power9 Maschine bis zu 4 TB Hauptspeicher hat. 4TB Hauptspeicher ist eine schöne Größe, mit der auch Mittelständler Datenbanken wie SAP HANA einsetzen können. Wer mehr braucht, muss eine größere Maschine kaufen, Power9 Systeme verwenden PCIe Generation 4, das bedeutet doppelte Bandbreite auf dem normalen Bus gegenüber POWER8. Die IBM wird vermutlich im Laufe des Jahres entsprechende Expansion Drawer mit PCIe Generation 4 ankündigen (bisher gibt es aber diesbezüglich kein Statement of Direction).

Weitere wichtige Highlights

Eine Technologie die es erst seit letztem Jahr gibt, ist OpenCAPI. OpenCAPI ist eine Technologie die wesentlich besser geeignet ist, Standard Akzelleratoren ohne großen Aufwand an IBM Systeme anzuknüpfen. Bisher musste IBM immer an der CAPI Schnittstelle mit den jeweiligen Akzellerator-Herstellern arbeiten, also an dem CAPI Interface zwischen dem Akzellerator und der IBM Maschine. Siehe Abbildung 9.

Mit OpenCAPI ist es nun wesentlich einfacher, ­Akzelleratoren anzuschließen. Diese sind dann vielleicht nicht ganz so schnell wie die anderen, aber immer noch schneller als die CPU. Siehe Abbildung 10.

Abbildung 10: Gegenüberstellung der neuen CAPI Architektur mit den Vorgängerversionen

Was neu ist, ist der NVMe Flash Support, Non Volatile Memory Express, also interne Flash Speicherkarten. Bildlich gesprochen sind das Komponenten wie sie heute, zum Beispiel in Laptops und ähnlichem, üblich sind. AIX und Linux können davon booten, IBM i NICHT. Dieser Speicher kann aber wie ein normales Storage Device auch unter IBM i genutzt werden.
Die Größe der NVMe Flash Karte liegt bei ungefähr 400 GB, diese Zahl gibt die Write Endurance an, also das was man pro Tag schreiben darf, damit das Gerät 5 Jahre lang hält. Man kann also pro Tag ungefähr 400 GB schreiben 5 Jahre lang und dann ist das Gerät noch in Ordnung. Man kann natürlich auch das Doppelte schreiben, dann ist die Lebensdauer eben kürzer.

Vom Aussehen her ändert sich an den Maschinen nichts, auch in puncto Engerieanforderungen ändert sich nichts. Allerdings wird es bei den neuen IBM ­Power9 Systemen kein internes DVD-Laufwerk mehr geben. Für IBM i wurde letztes Jahr im Herbst ein Verfahren angekündigt, mit dem man eine IBM i Installation mit einem USB 3.0 Device vornehmen kann. Dabei gilt immer, es hängt vom Hersteller des USB-Devices ab, ob das dann funktioniert oder nicht. IBM selbst bietet RDX devices an. Es wurden jedoch einige Tests mit Herstellern von USB3 Sticks vorgenommen und erfolgreich abgeschlossen. Die Notwendigkeit eines DVD-Laufwerks besteht einfach heute nicht mehr. Heute ist es üblich, dass man über Netzwerk bootet oder dass man über günstigere und schnellere USB-Geräte die Installationsmedien anschließt und dann davon startet. Und genau diesen Weg geht die IBM auch mit IBM i. Insofern ist das fehlende DVD Laufwerk kein Problem.

Mit den neuen Technology Refreshes von IBM i 7.2 und 7.3 wurde auch der Installationsprozess mit USB verbessert.
An Stelle eines internen Tapes als Speichermedium kann nun ein internes RDX Device für IBM i, d.h. eine USB-Platte, die wie ein Band benutzt wird, verwendet werden. Über dieses RDX Bay kann optional das ­normale Sichern und Restore erfolgen.

Einsatzbereiche des Systems und Zuordnung der einzelnen Klassen zu den Einsatzbereichen

Wir haben jetzt demnach die angekündigten Modelle für unternehmenskritische Workloads: S922, S914, S924, H922, H924 sowie L922. Ferner sind neben den neuen Servern weitere Modelle für das Cloud Umfeld verfügbar – die IBM Power Systeme und IBM Hyperconverged Systems powered by Nutanix (POWER8 basierende Systeme CS8xx) verfügbar. Desweiteren wurden mit der L922 und den Power8 LC nun Modelle für den Bereich Modern Data Platform verfügbar, wo Open Source und Linux Workloads angesiedelt sind. Last not least: Das im Dezember 2017 angekündigte Modell AC922* ist als Modell für den Bereich HPC und Cognitive Computing konzipiert.
*(und L8xx sowie LC8xx)

Betreffend Power9 basierender LC Modelle, die im Prinzip aus der Open Power Community kommen, muss abgewartet werden, was im Laufe des Jahres noch kommt.
Die gerade angesprochenen Maschinen, IBM Hyperconverged Systems powered by Nutanix (CS8xx), sind ausgestattet mit einem Nutanix Hypervisor oder einem Nutanix Software Stack, der es relativ einfach macht solche Systeme in einer Cloud Umgebung zu nutzen.

Details zur IBM i S914

Nur das Modell S914 ist sowohl als Rack-Version als auch als Tower Version verfügbar. Die anderen Modelle nur als Rack-Version. Siehe Abbildung 11.
In dieser Abbildung zur S914 mit IBM i sieht man 2 verschiedene Frontansichten der Maschine, einmal mit und einmal ohne RDX-Laufwerk. Im Prinzip bedeutet das, dass mit dem RDX-Laufwerk 18 Platten zur Verfügung stehen. Ohne das RDX-Laufwerk stehen 12 Platten zur Verfügung, aber man kann bei Bedarf das RDX-Laufwerk einbauen und dann sind bis zu 18 Platten intern verfügbar.

Diese S914 Maschine gibt es in 3 Varianten mit 4, 6 und 8 Cores, alle mit einer Taktfrequenz von 2,8 bis 3,8 GHz (max).
Die 4 Core Maschine gehört zur Prozessor­gruppe P05, die anderen beiden gehören zu P10. Aber die 4 Core Maschine hat die selben Einschränkungen, die auch auf die POWER8 Maschine S814 zutrafen, denn wir kommen bei der 4 Core Maschine nicht bis zu 1TB Hauptspeicher, sondern dieser ist begrenzt auf 64GB Hauptspeicher.

Die S914 kann für das Betriebssystem IBM i auch nicht das NVMe Flash Boot Feature nutzen und nur die 6-Kern und 8-Kern Maschinen supporten ein I/O Expansion Drawer. Das sind im Prinzip also die gleichen Einschränkungen, die bereits für die S814 Maschine galten.

Vergleich zwischen POWER8 und POWER9

Die Abbildung 7 zeigt einen direkten Vergleich zwischen POWER8 und POWER9 – die mit POWER9 realisierten Verbesserungen sind grün hinterlegt. Die CPU ändert sich in Richtung besserer Performance – wesentlich höhere Bandbreite als bei POWER8. Die Memory konnte verdoppelt werden – zwar weniger Bandbreite als bei POWER8, aber die restlichen Neuerungen gleichen das, wie schon ausgeführt, aus und die Performance unter POWER9 wird somit sogar verbessert. Die maximale Anzahl der Cores pro Sockel liegt nach wie vor bei 12 Kernen – nur bei Linux wird die Konfiguration mit 24 Kernen genutzt. Wie oben erläutert, werden jetzt die Industrie Standard DIMMs eingesetzt. Auch die PCIe GEN4 erzielt jetzt in etwa die doppelte ­Bandbreite. Siehe Abbildung 12.

Abbildung 12 – Gegenüberstellung POWER8 und POWER9

Eine Einschränkung auf 8 Platten statt wie bisher 12 Platten gilt für die 2U Maschinen (also 2 Höheneinheiten-Maschinen), das ist jedoch auch kein Problem für IBM i. Als zusätzliche Option, kann man bei der 2U Variante auch einen Single RAID Write Cache wählen. Üblicherweise kaufen IBM i Kunden die 4 Höheneinheiten Maschine mit 1 oder 2 Sockeln.

Unterstützte Betriebssysteme IBM i

Als Betriebssysteme werden supported 7.2 und 7.3. Für die POWER9 Modelle erübrigt sich IBM i 7.1, da der Support für 7.1 im April 2018 wie schon lange angekündigt eingestellt wird. Siehe Abbildung 13.

Abbildung 13 – IBM i Betriebssytem-Versionen

IBM i 7.3 Technology Refresh 4 und TR8 für 7.2

Die Abbildung 14 zeigt die mit IBM i 7.3 TR4 angekündigten Neuerungen mit Support für POWER9 als Übersicht. Einige der Highlights wurden bereits schon angesprochen: Verbesserungen im Installationsprozess mittels USB 3.0 Medien und Verbesserungen von Software Produkten bezüglich des Integrated Web Services Server und wichtige Verbesserungen in puncto Sicherheit und Benutzung. Siehe Abbildung 14.

Abbildung 14 – Highlights des IBM i 7.8 Technology Refresh 4

Ferner neu ist der bessere Authentifizierungsablauf für den internen Webservice Server. Wenn sich Benutzer bereits am WebServer authentifiziert haben, dann wird diese Berechtigung nun vom Integrated Web ­Services Server für den Zugriff auf beispielsweise die Datenbank- oder die Betriebssystem-Objekte ­übernommen.

Bezüglich RPG gibt es zum Beispiel eine neue Funktion die nicht-strukturierte Dokumente in eine RPG-Variable überführt – DATA-INTO.

DATA-INTO überführt semi-strukturierte Datentypen in eine Daten Struktur, bzw. eine Tabelle, ähnlich wie XML-INTO, aber es verwendet einen Custom Parser um die Daten richtig zu platzieren, genauso wie Open Access. IBM hat wohl viele Anfragen erhalten, zum Beispiel ein JSON-Äquivalent zu XML-INTO zu schaffen. Es gäbe sicher noch einige weitere wichtige Datenformate für einen solchen Umgang mit Daten, wie zum Beispiel CSV. Wer weiss, was noch kommt – vor 10 Jahren hatte ja auch kaum jemand von JSON gehört, das heute den Datenaustausch dominiert. IBM liefert auch einen kompletten JSON Parser mit. Sicherlich wird RPG auf diese Weise auch weiterhin um neue Funktionen ausgebaut.

Abbildung 15 – IBM i Roadmap bis 2027 – Statement of Direction nach jetziger Planung

Auch IBM i Access Client Solution wird Neuerungen erhalten, zum Beispiel, dass Permissions angezeigt werden oder dass man bestimmte Objekte ansehen kann ohne zusätzliche Tools zu benutzen.

Für die Domino Benutzer gibt es die gute Nachricht, dass Domino auf dem IBM i Betriebssystem ­weitergepflegt wird.

Eine Neuerung, die für viele sicher überraschend kommt, ist dass die CL Quellen jetzt aus dem IFS heraus kompiliert werden können. Das ist sehr praktisch. Auch bisher schon konnte man RPG Quellen im IFS haben (Integrated File Server) aber CL gehört ja eigentlich zum Betriebssystem (Command Language). Die Kompilierung von CL-Quellen im Integrated File Server bedeutet, dass man mit ganz normalen Editoren arbeiten kann, wie beispielsweise Notepad, und somit ganz normale Stream Files verwendet.

Das macht das Programmieren mit CL einfacher, gerade für neue Leute. Diese brauchen nicht die alten Tools um CL zu programmieren, sagen wir mal PDM und ADF und man kann dann im Prinzip mit jedem beliebigen Editor schreiben. Ob der dann die schöne Unterstützung hat, ist eine andere Frage.

Abbildung 16 – IBM i: 60+% niedrigere TCO (Total Cost of Ownership)
Quelle: Quark + Lepton, IBMi on Power Systems for Midsize Businesses, May 2017

Zukunftstechnologie, Mitarbeiter und TCO

Nach der Lektüre dieser IBM Announcement Details ist es wohl kaum noch erforderlich, darauf hinzuweisen, dass die IBM Systeme mit POWER9 leading edge Technology einsetzen und die modernsten Anwendungen unterstützen, direkt und via Cloud, zum Beispiel mit dem Betriebssytem IBM i. In diesem Zusammenhang sei das beliebte Watson-Beispiel genannt.
Watson ist ein Service, der via Internet genutzt werden kann und die IBM i verfügt bereits über die Technologie, um die Watson Services aus den IBM i Anwendungen heraus zu nutzen – mittels Db2 for i, Db2 WebQuery oder SQL unter Verwendung einer der neuen für IBM i verfügbaren Sprachen, wie phyton oder node.js, nicht nur sondern auch beispielsweise für Social Media Datenauswertung, Language Translator, Wetterdaten-Recherche/-Vorschau oder Hotelsuche. Was hat denn das Wetter mit dem Tagesgeschäft zu tun, wäre hier eine spontane Frage. Nun, eine japanische Firma nutzt diese Watson-Wetter-Funktion in Verbindung mit anderen Auswertungen dazu, die richtigen Produkte in den passenden Mengen zum richtigen Zeitpunkt zu den Verkaufsstellen zu schaffen. Dies alles ist möglich, weil Watson mit standardisierten Service Definitions arbeitet, die von ILE Programmen auf der IBM i verstanden werden und genutzt werden können.

Abbildung 17 – Transitions-Möglichkeiten für die Scale-Out Server

Manche CIOs, die Probleme haben, neue Mitarbeiter für RPG zu begeistern, können solche Beispiele hoffentlich hilfreich finden. RPG zu erlernen ist doch für einen Programmierer kein Problem und in jeder neuen Position muss zunächst viel Unternehmenswissen ­aufgenommen werden.­

Wo liegt das Problem, wenn uns laut IBM die weiterentwickelte Maschine mit dem weiterentwickelten IBM i Betriebssystem bis mindestens 2027 erhalten bleibt? Siehe Abbildung 15. Es gibt ja wohl nur wenige Jobs, in denen man heute nach der initialen Ausbildung sicher sein kann, eine soeben erlernte Programmiersprache noch weitere circa 10 Jahre nutzen zu können – und das in einem Industriesegment, in dem diese Fertigkeit sehr gefragt ist. Abgesehen davon macht es IBM mit jedem neuen Technology Refresh leichter, auch mit einem anderen ursprünglichen Ausbildungshintergrund die IBM i Möglichkeiten zu nutzen.

Last not least, muss es jedem Unternehmen um die finanz­iellen Aspekte der Unternehmens-IT gehen. Letztes Jahr hat Quark + Lepton im Rahmen einer Studie die TCO verschiedener Plattformen ermittelt. Diese Grafik spricht eine deutliche Sprache – wer heute von IBM i auf Windows wechselt, hat es wohl versäumt, eine mit gebotener Sorgfalt durchgeführte ­Risikoprüfung vorzunehmen.

Transition von POWER8 auf POWER9

Wer heute von POWER8 auf POWER9 geht kann die Maschine austauschen und gegebenenfalls ein paar Teile mitnehmen. IBM gibt bei ­einigen Maschinen eine PowerVM Enterprise Lizenz temporär mit, so dass der Kunde die Möglichkeit hat via Live Partition Mobility (falls er IBM i ­vollvirtualisiert einsetzt) seine Umgebung auf das neue zu System ­transferieren.

Mit Hilfe des Virtual I/O Servers kann daher alles, was schon virtualisiert vorliegt, also gegebenenfalls die gesamte Umgebung, auf POWER9 migriert werden – Voraussetzung ist vor allem natürlich, dass von der neuen Maschine auch das Betriebssystem unterstützt wird.

Das könnte dann so aussehen, wie in der Abb. 17 gezeigt.

Literaturhinweise

  • Die Prozessor-Technologie ­POWER9 ist ja schon länger bekannt – siehe deren ausführliche Besprechung, auch im Hinblick auf Scale-Out und Scale-Up Server-Modelle, in NEWSolutions Nr. 4/2017 „Status POWER9“ Seite 8.
  • NEWSolutions Leser erhielten bereits im Announcement Special Newsletter wichtige Informationen zu den 6 Scale-Out Maschinen, NEWSwatch, Versand 14.02.2018.
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