VON FRANK HEIMES
Als Beispiel einige der Ankündigungen: Die formale Ankündigung von Linux auf dem Großrechner (seinerzeit „Linux for S/390“) im Jahre 2000, die Einführung des Linux Spezialprozessors (IFL, Integrated Facility for Linux®) im Jahr 2001, IBM‘s Ankündigung im darauf folgenden Jahr auf der LinuxWorld Expo in NYC, eine Milliarde $ in die Linux-Entwicklung zu investieren, die Einführung eines „Linux-only“ Mainframes im Jahre 2009 unter dem Namen „Enterprise Linux Server“. Oder die zweite Ankündigung, nochmals eine Milliarde US$ vor allem in Linux auf POWER® zu investieren und schließlich die Einführung einer Cloud Appliance auf Großrechnerbasis (welche Hardware, Software und Services beinhaltet) namens IBM Enterprise Cloud System.
Das Thema Linux auf dem Mainframe fand schnell großen Anklang – nicht nur bei IBM intern, sondern auch bei unseren Kunden, was schließlich zu viel Interesse, Nachforschungen und Nachfragen führte.
Besonders hervorzuheben sind hier die Test-Ergebnisse von David Boyes (Sine Nomine Associates®, IBM Business Partner) aus dem Jahr 2001, der in verschiedenen Test-Läufen für einen IBM Kunden aus dem Telekommunikationssektor ermittelte, wie viele virtuelle Linux-Gäste auf einem damaligen Mainframe gestartet werden können bzw. wann ein solches System mit Linux auf IBM z / VM® Gästen ausgereizt ist.
Zunächst gelang es im sogenannten „Testplan Charlie“, auf einer Partition eines System/390® G5 Systems mit nur 128GB RAM, 41.400 virtuelle Linux-Maschinen aka Gäste mit je einem Apache Web Server laufen zu lassen, bis eine Systemmeldung der Form „I can‘t allocate any more resources“ weitere VMs nicht mehr zuließ. Aber dies führte weder zu einem Crash noch zu anderen Ausfällen – die Maschine lief einfach weiter. Der darauf folgende „Testplan Omega“ erlaubte es sogar, auf einem voll ausgebauten System/390 9672 G6 Modell ZZ7 (seinerzeit der größte Mainframe mit 12 CPUs, 178 MIPS pro CPU und 16 GB RAM) bis zu 97.943 Linux Gäste zu starten.
Nicht, dass diese Art der extremen Auslastung dauerhaft empfehlens wert wäre: Aber es zeigt, das der Mainframe mit solchen Extremsituationen umgehen kann, die Stabilität dadurch nicht gefährdet ist, Auslastungsspitzen problemlos handhabbar sind und dass einige hundert oder sogar einige tausend Linux auf z Systems® Gäste auf einer Maschine aktiv sind, ist heutzutage nichts Ungewöhnliches mehr.
Man stelle sich nur vor, was mit der aktuellen Generation, der im Januar angekündigten IBM z13® System möglich ist – mit bis zu 141 Prozessoren, 1695 MIPS pro Prozessor und bis to 10 TB RAM … auch wenn heutzutage das Linux wesentlich umfangreicher geworden ist und wir dieser Tage von 64-bit Betriebssystemen reden ! (Siehe auch „z13: The New Possible“ movie.)
Die herausragenden Eigenschaften von Linux – wie Skalierbarkeit, Flexibilität, Effizienz, Stabilität, Sicherheit, Affinität zu Virtualisierung und Cloud, sowie die Offenheit des Betriebssytems (um nur einige zu nennen) – führten im Lauf der Zeit dazu, dass sich Linux nicht nur als Server-Betriebssystem für IBM Plattformen etabliert hat, sondern zum am schnellsten wachsenden Server-Betriebssystem gemausert hat. Es kommt außerdem auf über 95% aller HPC Systeme zum Einsatz, ist die Basis für neue Technologien wie Watson® und arbeitet als Embedded Linux sozusagen „im Verborgenen“ in vielen IBM Produkten und Appliances. Zudem ist es auf einigen zehntausend Linux Clients und Workstations bei IBM im Einsatz. Von Linux in Smartphones in Form von Android ganz zu schweigen …
Linux ist somit das erste und einzige Betriebssystem, das auf allen IBM Plattformen zur Verfügung steht. Dies wird übrigens von hunderten IBM Mitarbeitern gewährleistet, die sich ausschließlich im Linux-Umfeld bewegen und größtenteils im IBM Linux Technology Center (LTC) angesiedelt sind. Nicht zuletzt führen die LTC- und darüber hinausgehende Aktivitäten dazu, dass IBM von der Linux Foundation regelmäßig unter den Top 5 „Contributern“ geführt wird. Alleine dies verdeutlicht die Wichtigkeit von Linux – nicht nur für IBM selbst, sondern auch für unsere Kunden. Linux ist somit ein zentraler Bestandteil der langjährigen technischen Strategie von IBM mit einem Fokus auf auf offene Technologien und hochwertige Lösungen („Focus on open technologies and high-value solutions“).
Darauf basiert nicht nur das Engagement im Linux-Umfeld, sondern auch das Engagement in weiteren Open Source-Projekten und Communities wie beispielsweise Apache® (Foundation), Firefox® (Mozilla® Foundation), Eclipse® (Foundation), Cloud Foundry®, OpenStack®, etc. – sowie in offenen Standard, wie DMTF®, OMG®, OASIS®, W3C®, DMTF® und mehr.
Die Flexibilität von Linux ermöglicht außerdem, es auf optimale Größe zurecht zu stutzen, so dass es in Embedded Systemen wie Arduino ® läuft oder sich vom USB® Stick starten lässt. Ein sogenanntes Enterprise Linux bzw. die Enterprise Linux Distributionen sind jedoch ungleich umfangreicher. Streng genommen ist Linux ja ‚nur‘ der Kernel oder Nukleus, der von hunderten Paketen und Werkzeugen aus der GNU® Sammlung und den oben bereits genannten Open Source-Projekten ergänzt wird. Dies ist übrigens auch der Grund, warum häufig von GNU / Linux gesprochen wird – wenn explizit auf eine Linux Distribution referenziert werden soll. Es sind tausende von Pakete in einer Linux Distribution enthalten (je nach Distribution über 10.000), die viele Werkzeuge und Anwendungen nicht nur für Administratoren, sondern auch für Benutzer, Programmierer, Webmaster oder andere Rollen bereitstellen. Eine solche Vielfalt auf IBM Plattformen ermöglicht ganz neue und zusätzliche Verwendungsmöglichkeiten. Somit ist Linux auch nicht als Ersatz eines bestimmten etablierten Betriebssystemes zu sehen, sondern als zusätzliche Option und Ergänzung.
Das Schöne am Linux ist, dass es auf allen Plattformen gleich ist, d.h. gleicher Quell-Code, gleiche Codierung (ASCII – auch auf z Systems) und gleiches Look-and-Feel. Es wird lediglich für die zu Grunde liegende Architektur neu übersetzt und „erbt“ deshalb die Charakteristika der jeweiligen Plattform – d. h. Energieaufnahme pro VM, I/O Performance, Skalierbarkeit, QoS, MTBF, RAS, uvm.
Die Entwicklung bei IBM im Linux- Umfeld (bzw. im Open Source- Umfeld allgemein) verläuft nach klaren Regeln. IBM (bzw. das LTC) stellt Entwickler, die den Open Source Code verändern bzw. mit zusätzlicher Funktionalität ergänzen und gemäß den Lizenzen und Prozessen der jeweiligen Communities wieder in das Projekt zurück fließen lassen. Dabei müssen auch wir uns den Prozessen, inklusive ‚peer review‘ und ‚public reviews‘ stellen. Zusätzlich zu diesen „Contributors“ stellt IBM auch eine große Anzahl von Maintainern (bzw. Sub-System Maintainer), die sich um das Zusammenführen und Zusammenfügen der CodeÄnderungen kümmern, Strategien entwickeln und somit (Teil-) Verantwortungen übernehmen. IBM fokussiert hier allerdings nicht nur auf neue Funktionalitäten, sondern vor allem auch auf Stabilität, Performance und Qualität – oder kurz auf „Enterprise-readyness“.
Alles in allem ist IBM somit als „good citizen“ ein Teil dieser Communities.
An dieser Stelle möchte ich noch kurz eine Aussage von Irving Wladawsky-Berger, ehemaliger IBM VP für Technologie und Strategie einbringen, der bereits im Jahr 2000 sagte, dass Linux die gleiche Bedeutung für Anwendungen haben wird, die das Internet für Netzwerke inne hat („Linux will do for applications, what the Internet did for networks“).
Lassen Sie mich diese Aussage aufgreifen und in die Zukunft projizieren:
„OpenStack wird eine Bedeutung für Cloud Computing einnehmen, wie sie Linux heute bereits für Betriebssysteme hat.“
Ich denke, dem wird sich wohl kaum jemand in der IT verschließen können … und IBM‘s Engagement ist hier gesetzt!
Da wir in einer multimedialen Zeit leben, möchte ich mit einem Verweis auf drei Videos schließen (siehe Quellen und Referenzen), die interessant und kurzweilig anzuschauen sind und einige der hier erwähnten Themen aufgreifen und ergänzen.
Quellen und Referenzen :
- Linux on IBM System z – A Simple Idea Changed the World http://wavv.org/wavv2010/presentations/Ten%20 Year%20Linux%20WAVV%20v2.pdf
- Linux is Everywhere – Keep Your Options Open http://www.ibm.com/linux/blogs/linuxeverywhere/
- A White Paper By The Linux Foundation, Linux Kernel Development How Fast it is Going, Who is Doing It, What They are Doing, and Who is Sponsoring It http://www.linuxfoundation.org/docs/lf_linux_kernel_ development_2010.pdf
- Top 500 Supercomputer site http://www.top500.org/statistics/list/ • About IBM, Annual Report, Management discussion, Strategy http://www.ibm.com/annualreport/2008/ md_3strategy.shtml
- David Boyes and Test Plan Charlie http://linuxvm.org/present/mdlug/tsld027.html
- Test Plan Charlie Unplugged: An Interview with David Boyes http://www.linuxplanet.com/linuxplanet/interviews/ 3139/1 • IBM refines its Linux message for developers http://www.zdnet.com/article/ibm-refines-its-linuxmessage- for-developers/
Videos:
- Linux on IBM System z: A silent clip on the past and the present http://www.youtube.com/watch?v=0i7kBnhN3Lg
- Life of a CIO – IBM Enterprise Linux Server and the Software Battle https://www.youtube.com/watch?v=BEOXCSzJNMg
- z13: The New Possible Movie https://www.youtube.com/watch?v=NAFWySXY5L0


