Wahrheit und Vertrauen in Gefahr

4. Dezember 2018 | Von | Kategorie: Cloud, Social Media, Devices, Strategische Berichte

Ein Team der University of Oxford hat sein Augenmerk auf die Gefährdung von Wahrheit und Vertrauen durch Social Media Manipulationen gerichtet und die Ergebnisse der Untersuchungen in „Challenging Truth and Trust: A Global Inventory of Organized Social Media Manipulation, 2018“ aufbereitet. Aus geschäftlicher Sicht geht dass all jene an, die für ihre Organisation oder ihr Unternehmen den Bereich Social Media betreuen.

Es geht um das Vertrauen der Zielgruppe und darum, die Glaubwürdigkeit der Message so mit Fakten und sorgfältiger Formulierung zu erhöhen, dass auch ein aufmerksamer, in Sachen Social Media bewanderter Beobachter nicht gleich abwinkt. Leichte Opfer von manipulierten Messages wären dagegen die weniger aufmerksamen Leser, wie:
1. gehetzt im Alltag noch schnell eine Meinung abkupfern,
2. über mangelndes Verständnis für Social Media verfügen,
3. vom Leben überfordert, sich keine Zeit für eigene Überlegungen / Bildung nehmen.

Die Kunst einer seriösen Social-Media Werbung liegt darin, in der extrem kurzen Verweildauer Interesse zu wecken und auf weiterführende Inhalte zu verweisen ohne reißerisch zu sein.

Bericht von Isabella Pridat-Zapp

Das Team der University of Oxford hat im Rahmen seiner Recherchen weltweit in 48 Ländern Anzeichen von Social Media Manipulations Kampagnen gefunden – einen ersten Eindruck der Stärke der Cyber-Truppen des jeweiligen Landes gibt die oben abgebildete Karte: je dunkler, desto höher ist die Cyber-Truppen-Stärke. In der online-Version der Hauptquelle zeigen die Wissenschaftler die vollständigen nach Ländern geordnete Tabellen (z.B. Nr.4 Cyber Troop Capacity) mit der kompletten Übersicht von Angola bis Zimbabwe. Hier jedoch als SnapShot 3 bis 4 Länder zur Veranschau­lichung:

Die Wissenschaftler schätzen die Manipulation der öffentlichen Meinung über die Social Media Plattformen als wesentliche Bedrohung des öffentlichen Lebens ein. Die Recherchen haben ergeben, dass Regierungskreise und politische Parteien weltweit Social Media Plattformen sowohl für die Verbreitung von Junk News und Desinformation nutzen, als auch ­Zensur und Nachrichtenkontrolle ausüben und so das Vertrauen in die Medien, in öffentliche Institutionen und in die ­Wissenschaft unterminieren.

Hier geht es um die Wahrheit und das Vertrauen als Eckpfeiler unserer demokratischen Gesellschaft – so die Wissenschaftler. Angesichts der heute steigenden digitalen Verbreitung von Nachrichten ist es höchst bedenklich, dass Artificial Intelligence, Big Data ­Analytics und „black-box“ Algorithmen für die ­Manipulation der Nachrichten eingesetzt werden.

Diese Praktiken wurden 2018 in 48 Ländern festgestellt, während sie sich 2017 nur in 28 Ländern manifestierten. In jedem dieser Länder nutzt zumindest eine politische Partei oder Regierungsstelle organisierte ­Social Media Manipulations-Kampagnen um die ­eigene Bevölkerung zu manipulieren.

Hauptsächlich werden jetzt Desinformations­-Kampagnen im Vorfeld und während der Wahlen eingesetzt. In manchen Ländern fürchten Regierungskreise auch Junk News von ausserhalb und entwickeln deshalb eigene Kampagnen als Gegenmaßnahme.

In einem Viertel der untersuchten 48 Länder – hauptsächlich auf der Südhalbkugel – wurden auch ­Desinformations-Kampagnen via Chats wie WhatsApp, Telegram und WeChat entdeckt.

Die Computer-Propaganda stützt sich immer noch auf Fake Social Media Accounts und online arbeitende Kommentar-Teams, aber in zunehmendem Maße werden auch bezahlte Banner/Anzeigenkampagnen und Suchmaschinenoptimierung auf immer mehr ­Internetplattformen eingesetzt. Hier ergaben sich bei der ­Recherche erschreckende Zahlen.

Quelle: Developer Week / Fittkau & Maaß Consulting, 2017
Basis: 1200 befragte deutsche Internetnutzer ab 18 Jahren

Die Manipulation von Social Media ist ein riesiger Wirtschaftszweig. Seit 2010 haben politische Parteien und Regierungen über eine halbe Milliarde US Dollar in Forschung, Entwicklung und Implementierung von psychologischen Kampagnen und Manipulation der ­öffentlichen Meinung via Social Media investiert. In einigen wenigen Ländern geht es auch darum, Extremismus zu begegnen, doch in den meisten Ländern geht es um die Verbreitung von Junk News und falschen Informationen im Zusammenhang mit Wahlen, militärischen Krisen und mit komplexen Katastrophenszenarien.

Die Autoren führen an, dass es in vielen Demokratien keine deutlichen Hinweise darauf gibt, dass die Verbreitung von Propaganda per Computer den Wahlvorschriften widerspricht (Howard, Woolley, & Calo, 2018). Das Team der University of Oxford hat in den Jahren 2016 und 2017 beobachtet, dass Russland ­erhebliche Anstrengung unternommen hat Wahlen in vielen Ländern der Erde zu sabotieren, doch auch die politischen Parteien dieser Länder verbreiten im Inland Desinformation. Die Autoren schließen die Darlegung ihrer Ergebnisse mit der Feststellung: „Wir können nicht warten bis die gesetzgebenden Körperschaften nach Wahlen und Referenden die Einzelheiten der ­Beeinflussung analysiert haben, sondern müssen unsere Demokratien jetzt durch das Festlegen von Regeln und Fair Play schon vor dem Wahltag schützen.“

Literatur

Hauptquelle: University of Oxford Computational Propaganda Research Project
Samantha Bradshaw & Philip N. Howard, “Challenging Truth and Trust: A Global Inventory of Organized Social Media Manipulation.” Working Paper 2018.1. Oxford, UK: Project on Computational Propaganda. comprop.oii.ox.ac.uk. 26 pp Aufgerufen von: https://comprop.oii.ox.ac.uk/research/cybertroops2018/

methodology appendix:
http://comprop.oii.ox.ac.uk/wp-content/uploads/sites/93/2018/07/ct_appendix.pdf

Zotero library with the news articles and references used in this report:
https://www.zotero.org/groups/2125315/global_cyber_troops_2018/items

Anhang

Brexit Propaganda zitiert aus: Infacts.org

https://infacts.org/vote-leave-lying-facebook-ads-look-even-worse-2-years-on/

Brexit Propaganda zitiert aus: BBC

https://www.bbc.com/news/uk-politics-44966969

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