AS/400 Announcements V4R5 – Details

10. September 2007 | Von | Kategorie: IBM Announcements, Strategische Berichte

NEWSolutions ist die weltweit erfolgreichste AS/400 / iServer Zeitschrift. Artikel -AS/400 Announcements V4R5 Details

Neue Hardware – wenig Software

von Michael Hellriegel

Zieht man, die Gewohnheiten auf den Kopf stellend, das Resumée eines Beitrages am Anfang, nimmt das zwar die Spannung aus der Sache, bewahrt den Zuhörer oder Leser aber auch vor Enttäuschungen. So lassen sich die Neuerungen in Version 4, Release 5 des OS/400-Betriebssystems in einem Satz zusammenfassen: jede Menge Unterstützung für neue Hardware, kaum Neues im Software-Bereich.

Künstler Burgy Zapp [http://burgyzapp.de]

Künstler Burgy Zapp [http://burgyzapp.de]

Immerhin wird die Unterstützung der neuen Hardware als neues Release und nicht als neue Version der Software eingeführt. Das war bei V3R0M5 noch anders, als sich IBM die neue Hardware zusätzlich durch ein kostenpflichtiges Software-Update versilbern ließ. Aber mit der gängigen Software-Subscription ist ein solcher Schritt auch nicht mehr erforderlich, die Gelder von den Kunden fließen stetig in die Kassen der IBM. Bei der Betrachtung der Release-Neuerungen wird sich allerdings so mancher fragen, wofür er denn seine letzten Subscriptions-Raten bezahlt hat, denn der größte Teil der Neuerungen, z.B. Performance-Verbesserungen bei Java sowie die neuen bzw. noch fehlenden Funktionen in Client Access und dem Operations Navigator, ist schon als Cum-PTF in das Release V4R4 eingeflossen.

Software-Neuerungen

Java hat unter Performance-Gesichtspunkten zweifelsohne den größten Schub erhalten. Nach Angaben von IBM wurde der Leistungsdurchsatz um erstaunliche 65 % gegenüber der (PTF-freien) Version V4R4 gesteigert. Einen wesentlichen Anteil an dieser Steigerung hat die Änderung des Umwandlungsprozesses von dem Direct Execution Compiler (mit Optimierungsstufe 10) auf den AS/400-eigenen Just in Time (JIT) Compiler mit Optimierungsstufe 30. Gleichzeitig wird ab Juli/August die aktuelle Fassung des Java Development Kits (JDK) von SUN in der Version 1.3 ausgeliefert.

Mit V4R5 enthält die AS/400 Toolbox für Java eine Proxy Server-Unterstützung. Gleichzeitig werden die Interface-Klassen von den Implementierungsklassen getrennt, so dass beide in unterschiedlichen Java Virtual Machines (JVMs) laufen können mit dem Ergebnis, dass schwächer ausgestattete Clients eingesetzt werden können und sich zudem die Downloadzeiten verringern.

Weitere Neuerungen, korrekter „Erweiterungen“ oder noch besser „erforderliche Anpassungen“ genannt , betreffen das erst kürzlich eingeführte PASE (Portable Application Solutions Environment), das der Ausführung POSIX-konformer Unix-Anwendungen dient. PASE wird mit V4R5 auf AIX 4.3.3 aktualisiert.

Der neuen Hardware angepasst wurde auch LPAR (Logical Partitioning), die Möglichkeit der AS/400, u.a. verschiedene Versionen des Betriebssystems mit „zuweisbaren“ Systemresourcen zu fahren. LPAR unterstützt jetzt bis zu 24 Prozessoren, entsprechend der maximalen Prozessoranzahl der neuen 8xx Rechner. Der Hasenfuß liegt allerdings darin, dass die neue Hardware zwingend V4R5 vorschreibt, also zurückliegende Betriebssystemversionen (zumindest zu diesem Zeitpunkt) nicht unterstützt werden. Wer auf ältere OS/400-Versionen angewiesen ist (wie dies häufig bei Software-Häusern der Fall ist), sollte sich mit der Anschaffung der neuen Hardware noch zurückhalten. Dasselbe gilt für Domino-Anwender. Keiner der neuen Rechner unterstützt Domino 4.x, sondern nur R5. Ob dies ein Marketingtrick ist, die Kunden gleichzeitig zum Update zu „ermuntern“, oder lediglich das Result zu kurzer Entwicklungszeit, bleibt im Ungewissen.

V4R5 läuft auf allen RISC-Maschinen und ist für alle neuen Modelle (also die Modelle 8xx sowie 270 und 250) zwingende Voraussetzung. Äußerst erfreulich ist die Tatsache, dass ein Upgrade auf V4R5 von allen Releases ab V3R2 (!) jetzt in einem Schritt durchgeführt werden kann. Die ärgerliche Situation, dass von V3R7 nur in zwei Schritten umgestellt werden konnte (was dem IBM Direkt-Vertrieb zudem lange Zeit unbekannt war), scheint damit beseitigt zu sein.

Hardware-Neuerungen

In typisch amerikanischer Begeisterungsfähigkeit für eigene Leistungen hat IBM seinen eBusiness-Begriff kurzfristig in „Extreme Business“ umgetauft. Offensichtlich will man die eBusiness-Manie ausreizen, solange es noch geht. (Bei einigen Beobachtern dieses „Hype“-Marktes macht sich allerdings der lange gehegte Verdacht breit, dass die einzigen, die an diesem Business sicher verdienen, die Hard- und Software-Lieferanten sind.) Wie auch immer – auch im AS/400-Bereich steigt die Hardwareleistung weiter an. IBM zeigt eine völlige Überarbeitung seiner Hardwaremodelle mit 23 neuen Servern in 5 Modellreihen. Entgegen der bisherigen IBM-Vertriebsstrategie werden neben den neuen Modellen auch die erst im letzten Jahr mit V4R4 eingeführten 7xx Modelle weiterhin angeboten. Als Termin für die allgemeine Verfügbarkeit ist der August genannt. Auf die Preise, insbesondere die der „alten“ 700er Modelle, darf man gespannt sein. Auf dem amerikanischen Markt wird über Preissenkungen bis zu 33 %, im Schnitt um die 20 %, spekuliert. Man darf gespannt sein, zu welchem Umrechnungskurs sich IBM in Europa entschließt, und ob die Preissenkungen durch die Euro-Schwäche „aufgefressen“ werden.

8xx-Modelle

Zumeist auf der neuen Kupfer-Chiptechnologie basierend liefert IBM neun neue Highend Server-Modelle mit dem neuen I-Star-Prozessor aus. Lediglich die beiden kleineren Modelle dieser Reihe basieren noch auf dem älteren Pulsar-Prozessor. Die ebenfalls neu eingeführte Silicon-on-Insulator (SOI)-Technik ermöglicht dem I-Star höhere Taktraten bei gleichzeitig geringerem Energieverbrauch und damit geringerer Wärmeentwicklung. Beides führt zu einer bis zu 30 %igen Leistungssteigerung gegenüber dem Pulsar-Chip. Die Modellreihe der 800 reicht von dem 1-Prozessor-Modell 820 (mit CPW-Wert 370) bis zum 24-Prozessor-Spitzenmodell 840 mit CPW 16.500. Selbst das nächstkleinere Modell, die 12-Prozessorausgabe der 840, verdoppelt noch die Leistung des bisherigen Spitzenmodells 740 mit „nur“ 4.550 CPW. Die maximale Magnetplattenkapazität steigt um das Dreifache auf 18,9 TB (TeraByte), der Hauptspeicherausbau mit 96 GB auf das Doppelte. Die „Einstiegsmodelle“ 820 sind 1-, 2- und 4-Prozessor-Modelle mit einer Leistungsbandbreite von 370 CPW bis 3.200 CPW. Die 830er-Modelle hingegen decken einen Bereich von 1.850 bis 7.350 CPW ab.

Batch und Interaktiv

Mit den Sxx Server-Modellen hat IBM vor Jahren damit begonnen, die interaktive Leistung bestimmter Modelle künstlich und teilweise deutlich unter die mit der Hardware erworbenen Prozessorleistung zu beschneiden. Diese Strategie der Leistungsfreischaltung gegen zusätzliches Geld wird auch bei den 8xx-Modellen fortgesetzt. Da beim Umstieg auf eine höhere interaktive Leistungsstufe sofort auch ein „Kosten-Upgrade“ für die Lizenzsoftware und für die Software-Subscription fällig wird, sollte man vor einem Wechsel detaillierte und verbindliche Gesamtkostenvoranschläge einholen, um gegen gar zu unangenehme Überraschungen gefeit zu sein.

Modelle 270

Nachfolger der bisherigen 170er-Modelle wird die neue 270er-Modellreihe, allerdings mit einer deutlich stärkeren Ausrichtung hin zu einer spezialisierten Servermaschine. Die 170er-Modelle waren in erster Linie für klassische interaktive AS/400-Anwendungen mit zusätzlicher Serverleistung ausgelegt. IBM gedenkt, die neuen 270er-Modelle vor allen Dingen als preiswerte und konkurrenzfähige Web-Servermaschine zu Windows NT- und Sun Solaris-Systemen zu platzieren. Ob diese (Kosten-)Rechnung in Anbetracht der nach oben immer besser skalierbaren Linux-Systeme überhaupt aufgehen kann, bleibt abzuwarten. Alle Modelle 270 mit Ausnahme der kleinsten (270-2248) sind primär als Web-Server ausgelegt und auf eine minimale interaktive Leistungsfähigkeit konfiguriert, die gerade mal die Systemadministration ermöglicht. Die maximale Serverleistung der 270 liegt bei ca. 2.000 CPW, also dreimal so hoch wie die der größten 170. Zusätzliche interaktive Leistung kann wie bei den 8xx-Modellen zu deutlich höheren Kosten freigeschaltet werden. Die maximale interaktive Leistung ist allerdings nicht größer als die der 170er-Modellreihe. Technische Details. Alle 270er-Modelle basieren auf dem Pulsar-Prozessor mit Kupferleitertechnik und können bis zu 24 Plattenlaufwerke mit maximal 421 GB aufnehmen. Die beiden kleineren Modelle, 2248 und 2250, sind bis auf 4.1 GB Hauptspeicher ausbaubar, die beiden größeren, 2252 und das 2-Prozessormodell 2253, auf bis zu 8.2 GB. Wie auch bei der 170 gibt es keine Upgrade-Möglichkeiten von oder zu dieser Modellreihe.

Modelle 250

Das neue Modell 250 scheint der Nachfolger der 150 zu sein, basiert aber auf der 170 mit dem Northstar-Prozessor und deckt auch eher den klassischen 170er-Markt mit klassischen AS/400-Anwendungen in kleineren Firmen oder Niederlassungen ab. Wie die 150 wird auch die 250 im Bündel mit bestimmten Lizenzprogrammen ausgeliefert. Dem Vernehmen nach sollen neben dem Betriebssystem noch CA/400 für Windows, Query und DB2 Query Manager sowie SQL enthalten sein. Anders als bei der 150 ist Software-Subscription für die 250 möglich. Technische Details. Die 250 wird in zwei Ausführungen geliefert, einmal mit einer CPW-Leistung von 50 (interaktiver CPW-Wert 15) und mit CPW 75 (interaktiv 20). Dies entspricht einer ca. 4-fachen Leistung des Modells 150. Unterstützt werden bis zu 175 GB (10 Plattenlaufwerke) sowie ein optionaler Raid-Controller. Ansonsten ist in erster Linie die alte 170-Hardware einbaubar, also der 100Mbps-Ethernet- oder 16Mbps-Token-Ring-Adapter und der 333MHz INS. Auch die 250er-Reihe lässt keine Upgrades von oder zu einer anderen Modellreihe zu.

Sondermodelle

Acht Sondermodelle werden mit V4R5 angekündigt. Sechs davon sind Dedicated Server for Domino (DSD), die beiden anderen reine Anwendungsserver (SB2 und SB3) für große Enterprise Resource Planning (ERP)-Anwendungen. Damit existieren jetzt insgesamt neun DSDs (die drei bisherigen 170er eingerechnet). Da diese aus drei verschiedenen Hardware-Baureihen stammen (170, 270 und 8xx), zwischen denen es keinen Upgrade-Pfad gibt, ist bei der Entscheidung für einen dieser Server äußerste Vorsicht geboten. Andernfalls drohen eklatante Fehlinvestitionen, entweder durch Überdimensionierung oder durch kompletten Neukauf beim Aufstieg in die nächste Hardware-Klasse. Die neuen Spitzenmodelle klotzen dafür mit deutlichen Mehrleistungen: bis zu 14.000 Mail-User (auf der 170 „nur“ 4.300), vierfachem Hauptspeicher und 20-facher Plattenkapazität. Allerdings ist – warum auch immer – nur Domino R5 lauffähig. Das erweist sich als weiterer Kostentreiber für Umsteiger. Auch die beiden neuen Anwendungsserver basieren auf der neuen Hardware, in diesem Fall auf der 8xx-Baureihe: die SB2 ist eine 830-2403, die SB3 840-2418 oder 840-2420. Bei diesen Sondermodellen wurde die Plattenkapazität künstlich begrenzt, um die Rechenpower der Prozessoren nur der eigentlichen Großanwendung, nicht aber gleichzeitig für Serverfunktionen bereitzustellen. IBM hat unverständlicherweise bei diesen Modellen gar keine Upgrademöglichkeit zugelassen, nicht einmal innerhalb der 840er-Varianten.

Weitere Hardware-Neuerungen

Für die Modellreihen 270 und 8xx wurden zusätzlich neue Hardware-Komponenten angekündigt:

  • High Speed Link Busverbindung zur Verbindung zu den Erweiterungsgehäusen
  • Hot Plug PCI-Adapter
  • 700 MHz integrated Netfinity Server
  • Gigabit Ethernet Adapter
  • High-Speed Token-Ring Adapter

Ein Upgrade auf ein 8xx wird zudem durch ein sogenanntes Migrationsgehäuse unterstützt, das noch große Steckkarten des inzwischen recht betagten SPD-Bussystems aufnehmen kann.

High Speed Link. Einen „Bus für Bussysteme“ nannte der IBMer Mark Olsen, seines Zeichens „AS/400 Brand Managing Operations Manager“, die neue Hochgeschwindigkeitsverbindung auf Basis eines Kupferduplexkabels. Die neue Verbindung ermöglicht eine parallel-bidirektionale (Duplex-)Kommunikation zwischen dem Bus des Servergehäuses und der I/O Switching Bridge im PCI-Erweiterungsgehäuse. Während die bisher eingesetzte Technik nur einen Halb-Duplexbetrieb zuließ, bei dem erst Daten in eine Richtung, dann in der anderen Richtung übertragen wurden, ermöglicht der HSL die gleichzeitige Übermittlung in beiden Richtungen mit Übertragungsraten von ca. 500 Mbit pro Sekunde, die einer gemittelten Busrate von 700 Mbit/s entsprechen. Die liegt in etwa auf dem Niveau der heutigen SCSI-Spitzentechnik, wie sie auch in PC-Hochleistungssystemen eingesetzt wird. In die 800er-Modelle können mehrere HSLs integriert werden, um die Datenströme redundant und optimiert umlenken zu können. IBM hat zudem in einem „Product Preview“ angekündigt, HSL für die Verbindung von Netfinity-Clustern zu 800er- und 270er-Modellen verfügbar zu machen.

Hot Plug PCI-Adapter sind PCI-Adapterkarten, die den Austausch von PCI-Karten im laufenden Betrieb ermöglichen. Der eigentliche Trick besteht darin, dass einzelne PCI-Slots vom Bussystem getrennt und stromfrei geschaltet werden können. Bei den bisherigen Modellen musste jeweils der gesamte Bus stillgelegt werden.

700 MHz Integrated Netfinity Server. Der neue INS ist mit einem 700 MHz Pentium III-Prozessor bestückt und unterstützt bis zu 4 GB Hauptspeicher, drei LAN-Adapter und 2 USB-Ports. Damit wird die Leistungsgrenze gegenüber dem bisherigen 333 MHz, 1 GB INS deutlich nach oben geschoben.

Gigabit Ethernet und High-Speed Token-Ring-Adapter. Die neuen Adapter können nur in den Modellen 8xx und 270 eingesetzt werden. Für den Gigabit Ethernet-Adapter ist das 1000Base-SX-Glasfaserkabel zwingende Voraussetzung. Wer auf STP-Kupferkabel bleiben will, sollte noch abwarten, bis 1GBit Ethernet auch auf Kupfer läuft. Erste Versuche hierzu werden von den (Nicht-IBM-) Adapterentwicklern bereits vorgenommen. Der neue Token-Ring-Adapter hingegen läuft mit 100 MBit auf dem traditionellen Twisted Pair (Kat 5)-Kabel und ist mit RJ-45- und SubD9-Buchsen ausgestattet.

Ausblick

Mit den Announcements gab IBM auch eine kleine Vorschau auf die nahe Zukunft der AS/400. Mit OS/400 V5R1 wird unter anderem LPAR auf Einprozessormaschinen unterstützt. Gespannt darf man sein, ob dies dann auch die älteren Modelle einschließt. Daneben soll eine dynamische Zuordnung von Prozessor-Ressourcen zu den Maschinenpartitionen möglich sein. Das bedeutet, dass man auf einer 4-Prozessormaschine, die im Tagesbetrieb mit zwei Partitionen à zwei Prozessoren fährt, bei Bedarf einen Prozessor aus der einen in die andere Partition überführen kann. Mit dem nächsten Release bzw. der neuen Version 5 sollte dann auch die direkte Ankopplung von Netfinity Servern möglich werden, um so die Interoperation zwischen großen NT-Anwendungen und der AS/400 zu ermöglichen.

Michael Hellriegel ist Diplom-Mathematiker und selbständiger Systemberater mit Schwerpunkt AS/400. Er ist als Berater und Projektleiter in den Bereichen Systemsicherheit, Systemautomatisierung, Datenbankdesign und Anwendungsentwicklung tätig. Sie können ihn per eMail erreichen unter: MHellriegel@t-online.de

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