EA-Frameworks: Teil 1: Entwicklung eines Ordnungssystems

21. April 2016 | Von | Kategorie: Leitartikel, Software Development + Change Mgmt., Strategische Berichte

Mit dem Technologiewachstum, der zunehmenden Globalisierung und Komplexität, Vernetzung sowie räumlichen Verteilung von Organisationen haben die zwei eng im Zusammenhang stehenden zentralen Themen, die strategische Ausrichtung von IT und das Management von Unternehmensarchitekturen (Enterprise ­Architecture Management, EAM) vehement an Bedeutung gewonnen.

(c) shutterstock

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Dr. Eldar Sultanow

Teil 2: 55 Frameworks im Vergleich

Ersteres ist eine der unter dem Begriff “IT-Governance” zusammengefassten Führungsaufgaben. Zweitgenanntes hat als Baustein von IT-Governance deren Zweckerfüllung zum Gegenstand, indem er Hilfsmittel zur strategischen Ausrichtung und zum geschäftsorientierten Ausbau der IT zusammenführt. Dieser Beitrag untersucht die Frage, wie sich Methoden oder Methodensammlungen (Frameworks) in einem Ordnungssystem systematisch erfassen und anhand einer gegebenen Problemstellung aus diesem auswählen lassen. Organisationale Problemstellungen umfassen die Anpassung eines Unternehmens an die Einflüsse auf sowie aus dessen Umwelt. Anpassungsfähigkeit ist im vorliegenden Sinne gleichzusetzen mit Gronaus Begriff der Wandlungsfähigkeit, das heißt die Fähigkeit zur aktiven, schnellen strukturellen Anpassung aus eigener Substanz auf zeitlich nicht vorhersehbar wechselnde Anforderungen.

Einführung

Im Folgenden werden die grundlegenden Begriffe ­erläutert und vor dem Hintergrund des zu entwickelnden Ordnungssystems in einen Zusammenhang gestellt.

Framework, Methode und Modell

Vorab ist eine Klärung der Grundbegriffe und ihrer Zusammenhänge angebracht, die für das Verständnis von Unternehmensarchitekturmanagement ­notwendig sind. Drei wesentliche Begriffe sind Framework, Methode und Modell.

Ein Framework stellt eine Sammlung von aufeinander abgestimmten Methoden dar. Methoden im Kontext der gestaltungsorientierten Wirtschaftsinformatik unterteilen Gericke und Winter (2009, S. 196) in Konstruktionsforschungsmethoden (“Wie sollen Artefakte konstruiert und evaluiert werden?”) und Artefaktkonstruktionsmethoden (“Wie sind konkrete, für die Lösung von Problemen im Zusammenhang mit Informationssystemen bestimmte, Artefakte zu gestalten und evaluieren?”).

Zur Definition von Methodenelementen und Beschreibung ihrer Beziehungen zueinander greift Braun (2007, S. 14) auf die wegweisenden Arbeiten Gutzwillers zurück, der Metamodell, Aktivitäten, Rollen, Werkzeuge, Techniken und Ergebnisse als die Grundbestandteile von Methoden ansieht. Methoden, stellt Braun fest, definieren ein in Form von Aktivitäten festgelegtes Vorgehen und Techniken beschreiben das – die Erstellung und Dokumentation von Ergebnissen regelnde – “Vorgehen im Kleinen” (Abbildung 1). Bei näherer Betrachtung der Modellierungstechnik als Technik im hier verstandenen Sinne stellen Modelle die Ergebnisse dar. Notation, Syntax und Semantik charakterisieren die Modellierungssprache.

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Framework, Methode und Modell, kombiniert aus Gericke und Winter (2009) und Braun (2007)

Abbildung 1: Zusammenhang zwischen Framework, Methode und Modell, kombiniert aus Gericke und Winter (2009) und Braun (2007)

Wie in Abbildung 2 dargestellt, sind Modelle entlang der drei von Braun (2009, S. 18) zusammengefügten Dimensionen, Generalisierungsgrad (spezieller vs. genereller Anwendungskontext), Aggregationsgrad (Grob- vs. Detailmodell) und ­Unternehmensabstraktionsgrad (von Strategien über Prozesse bis zu Informationssystemen und Systemkomponenten) klassifizierbar. Aus der letztgenannten Dimension, dem Unternehmensabstraktionsgrad, leitet sich die häufig in der Literatur (z.B. Dern, 2009, S. 6; Niemann, 2005, S. 17) zitierte, so genannte Unternehmensarchitekturpyramide ab. Diese Pyramide besitzt die aufeinander aufbauenden Schichten Systemarchitektur (teilweise auch Technologiearchitektur genannt), Anwendungsarchitektur (auch zwei separate Schichten Datenarchitektur und Anwendungsarchitektur möglich) und Geschäftsarchitektur. Oftmals wird auch von so genannten Architekturdomänen gesprochen.

Dr. Eldar Sultanow

Dr. Eldar Sultanow

Dr. Eldar Sultanow

Dr. Eldar Sultanow ist bei Capgemini als Architekt tätig. Er hat langjährige Praxiserfahrung in der Softwareindustrie, insbesondere in den Bereichen JEE, Electronic/Mobile Commerce, Track-&-Trace und Auto-ID im Pharmabereich sowie Requirements & Solutions Engineering im Public Sector.

Literatur

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