Mobiles Prozessmanagement mit KMDL

25. September 2014 | Von | Kategorie: Strategische Berichte, Wissenschaft und Forschung

Der Mobile Trend erstreckt sich sowohl im Endkunden- als auch im Unternehmensbereich auf unterschiedliche Themen: E-Commerce, Prozessmanagement, Business Analysis ERP, BigData etc. Auch im Wissensmanagement existieren thematische Auseinandersetzungen mit Mobilanwendungen. Der vorliegende Beitrag knüpft hieran an und betrachtet im Mobilkontext das Modellieren von Geschäftprozessen.

VON SANDER LASS

Künstler Burgy Zapp [http://burgyzapp.de]

Mobiles Wissens-Management

Dass mit Wissen und Informationen heutzutage sensibler umgegangen wird, erkennen wir aus aktuellen Debatten der Massenmedien. Nach dem hermetischen Prinzip „Wissen ist Macht“ errichten auch globale Unternehmen ein weltweites informelles Netzwerk, um sich den Wissensvorsprung gegenüber Mitbewerbern zu sichern [Sult13]. Die heutigen Mobiltechnologien wie mobile Ortung, Push-Dienste, mobiles Breitband, Streaming und HTML5 eröffnen neue Dimensionen für das Informations- und Wissensmanagement.

Prozessorientiertes Wissensmanagement hat zum Ziel, im täglichen Business die Wissensverarbeitung zu erkennen und weiterzuentwickeln und mit den Geschäftsprozessen in Beziehung zu setzen. Wesentliche Fragen sind beispielsweise, wer welches Wissen erlangt und es mit wem teilt [Gron09, Remu02]. Neben einigen semi-formalen Ansätzen, um Wissen und Wissensflüsse darzustellen [HeSo99, BHSo07, BuSc08, Staa08, MSSt01], steht für den genannten Anwendungsfall die KMDL (Knowledge Modeling and Description Language) zur Verfügung. Die KMDL ist eine systematische Beschreibungs- und Analysemethode, welche Wissensumwandlung prozessorientiert modelliert und formal beschreibt [Gron09, GrFr06].

Bei der Wissensumwandlung spricht man dabei von Konversionen. Sie beschreiben u. a. den Übergang von stillschweigendem (zum Beispiel Insiderwissen in den Köpfen von Schlüsselpersonen) zu explizitem Wissen (etwa in Büchern oder auf Webseiten). Mögliche Einflussfaktoren sind beispielsweise politischer, rechtlicher, ja sogar kultureller und sozialer Art, die besonders in der globalen Zusammenarbeit (z. B. internationale Konzerne, Joint Ventures) ein Rolle spielen können.

Auch die Informationsaufbereitung ist ein wichtiger Faktor. Gerade das Management benötigt eine geeignete Verdichtung, so dass die spezifisch relevanten Informationen nicht in der Masse der verfügbaren Daten untergehen [SuSo13]. Entscheidend hierbei ist, welche Informationen zu dem für ein begründetes Handeln wesentlichen Wissen führen. Systematisches Wissensmanagement sollte demnach einen Teil des Prozessmanagements darstellen.

Mobiles Wissensmanagement für Entscheider

Es gibt drei wesentliche Aspekte, die mobiles Wissensmanagement, und somit den strukturierten Einsatz von KMDL auf Mobilgeräten, motivieren: die unmittelbare Strukturierung eigener Gedanken und Ideen, das Kommunizieren derselben mithilfe von Tablets und das Matching von Wissenssuchenden und Wissensträgern über mobil organisierte Netzwerke.

Die unmittelbare Strukturierung eigener Gedanken und Ideen

Metadaten (Gedanken, Ideen, Erkenntnisse), die adhoc im Ablauf entstehen, können mit Hilfe mobiler Geräte, direkt und ohne Verluste aufgenommen und in die Daten der betrieblichen Anwendungssysteme
integriert werden. Benötigte Metadaten sind vor Ort abrufbar und kombinierbar. Hierbei entstehen zwei Potenziale – die mobile Bereitstellung von aktuellen betrieblichen Daten, welche orts- und zeitunabhängig erfolgen kann sowie die mittels mobiler Geräte gestaltete Erfassung geschäftsrelevanter Daten (vor Ort und in Echtzeit) einschließlich deren strukturierter Zurückführung in die betrieblichen Informationssysteme.

Ein geeignetes Modell dient dazu, entsprechenden Informationen am Prozess zu generieren, beziehungsweise kontextsensitiv bereitzustellen oder abzufragen. Die Prozesssicht der KMDL bildet hierfür eine geeignete Basis, weil durch die Prozesssicht sowohl Geschäftsprozess und Wissenskommunikation verknüpft, als auch wissensintensive Aktivitäten mit deren Kommunikation im Sinne der Konversionen identifiziert und analysiert werden können. Die entstandenen Modelle und die Umsetzung der Erkenntnisse kann zur Verbesserung der Informationsverteilung und -kommunikation des operativen Prozessmanagements eingesetzt werden.

NEWSolutions_02_2014abb1

Mobiles Kommunizieren von Gedanken, Ideen und Wissen

Da die Modelle der Geschäftsprozesse als Visualisierungs- und Transportmittel dienen und deren Kommunikation zunehmend mobil erfolgt, liegt ein Potenzial darin, die Modellierung ebenfalls mit mobilen Geräten zu realisieren (Abb. 1). Dies kann praktisch mit entsprechenden Apps gestaltet werden, die auch auf den Datenbestand der betrieblichen Anwendungssysteme zugreifen können. Beispiele sind der Abruf entscheidungsrelevanter Wissensereignisse oder das Erkennen von Wissensflüssen, Kommunikationen einschließlich ihrer Muster sowie opportunistische Konversionen [Sult2013].

NEWSolutions_02_2014autorÜber den Autor

Dipl.-Ing. Sander Lass ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government der Universität Potsdam. Seine Schwerpunkte sind Technologien dezentraler Steuerungskonzepte für Produktionssysteme. Hier untersucht er u. a. die Einsatzmöglichkeiten mobiler Technologien. Auf der iOS-Plattform ist er als Entwickler tätig.

Literatur:

[Gron09] Gronau, N. (2009). Wissen prozessorientiert managen. Methode und Werkzeuge für die Nutzung des Wettbewerbsfaktors Wissen in Unternehmen. München, Deutschland: Oldenbourg.

[Gunn13] Gunnarsson, M. (2013). Business & IT: Welche Nutzer brauchen oder möchten mobile ERP-Apps? PC Magazin, 09.10.2013, www.pc-magazin.de/ratgeber/mobiles-erp-auf-dem-vormarsch-1548775.html

[Remu02] Remus, U. (2002). Prozessorientiertes Wissensmanagement – Konzepte und Modellierung, Universität Regensburg, Dissertation, 2002.

[HeSo99] Heinsohn, J., & Socher-Ambrosius, R. (1999). Wissensverarbeitung – Eine Einführung. Spektrum Akademischer Verlag.

[BHSo07] Boersch, I., Heinsohn, J., & Socher, R. (2007). Wissensverarbeitung – Eine Einführung in die Künstliche Intelligenz für Informatiker und Ingenieure. 2. Auflage Spektrum Akademischer Verlag.

[BuSc08] Bullinger, H.-J., & Schreiner, P. (2008). Business Process Management Tools – Eine evaluierende Marktstudie über aktuelle Werkzeuge. IAO – Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation.

[Staa08] Staab, S. Wissensmanagement mit Ontologien und Metadaten. In: Informatik Spektrum 25 (2002), Nr. 3, S. 194 – 209.

[MSSt01] Maedche, A., Staab, S., Studer, R. (2001). Ontologien. Wirtschafts informatik 43(4), 393-396.

[GrFr06] KMDL – Eine semiformale Beschreibungssprache zur Modellierung von Wissenskonversionen. Wirtschaftsinformatik, 48(5), 349 – 360.

[SuBr13] Sultanow, E., & Brockmann, C. (2013). Knowledge Analytics. NewSolutions, 20(11), 8–11.

[Sult13] Sultanow, E. (2013). Wissen zugänglich machen mithilfe von Mobiltechnik. iX, 26(11), 122–126.

[Sult14] Sultanow, E. (2014). Entwicklung einer mobilfähigen KMDL-App für iOS. Arbeitsbericht, Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government, Universität Potsdam. Stand: 05.01.2014.

[SuSo13] Sultanow, E., & Sonnenborn, H.-P. (2013). Entscheidungsrelevanz und Personengebundenheit als diffizile Wissenseigenschaft: Eine empirische Studie zu acht Faktoren. IM Information Management & Consulting, 28(2), 76–83.

[Vlug13] Vluggen, H. (2013). Mobiles ERP auf dem Vormarsch. PC Magazin, 09.10.2013, www.pc-magazin.de/ratgeber/mobiles-erp-auf-dem-vormarsch-1548775.html

Schlagworte: , , , , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.