Vision der beschleunigten Veränderung

7. März 2022 | Von | Kategorie: Strategische Berichte, Wissenschaft und Forschung

In seiner Eröffnungs-Keynote des Think Digital Summit DACH führt Gregor Pillen, General Manager DACH, IBM, in seine Vision der beschleunigten Veränderung wie folgt ein: „Es geht nach wie vor um die Frage der Digitalen Transformation. … was sich geändert hat (ist), dass Pandemie-bedingt wir alle in unserer Fragestellung viel mehr erkannt haben, wie existentiell (sich) eine Beschleunigung der Digitalisierung für Unternehmen und die Gesellschaft darstellt.“ Pillen positioniert die IBM als das Unternehmen, das sich primär um die Themen Hybrid Cloud und Künstliche Intelligenz kümmern möchte.

Bericht von Isabella Pridat-Zapp

Daten – Volumen

Künstliche Intelligenz und die Verarbeitung von Daten werden immer zentraler, was auch durch eine IDC-Vorhersage belegt wird: Bis 2025 soll die weltweite Datenmenge 175 Zettabyte übertreffen.

Zur Veranschaulichung erläutert Pillen, dass das ­Herunterladen dieses Daten-Volumens mit der üblichen Geschwindigkeit von 3 Megabyte/Sekunde 1,8 Milliarden Jahre beanspruchen würde. Wenn man davon ausgeht, dass man wahrscheinlich bis zum Jahr 2025 in der Lage sein wird, bis zu 2,2 Terabyte/­Sekunde herunterzuladen, sind wir immer noch bei 1,8 bis 2 Millionen Jahren.

Das zeigt uns, dass es unmöglich ist, einfach so weiterzumachen wie bisher und wir in ganz andere ­Sphären vorstoßen. Beispielsweise bestellt ein US­-Unternehmen bei IBM zur Zeit wöchentlich 300 ­Petabyte Datenspeicher auf Band für Archivierungszwecke. Was die Daten anbelangt, wird die Cloud-Technologie die Zukunft der Wirtschaft, laut Pillen, prägen. Doch stehen wir hier noch am Anfang, da erst 25% der Arbeitslast der Betriebe in die Cloud verlagert wurde.

Status Quo

Aus vielen Gesprächen mit Partnern, Kunden und Mitbewerbern hat Gregor Pillen zur aktuellen Situation folgende Schlussfolgerungen gezogen:

1. Wir erleben eine enorme Beschleunigung und zwar im Bereich der Innovation. Die Zyklen werden immer kürzer. Als Beispiele für beschleunigte Innovation stehen hier im Vordergrund der 5G Ausbau, das Business-Umfeld mit KI und Hybrid Cloud, sowie die Schulen und die Behörden, die digitalisiert werden. Hier muss einiges schneller gehen.

2. Wir müssen uns immer mehr damit beschäftigen, wie wir den technologischen Fortschritt beherrschbar machen – auch in puncto des Zusammenspiels von Mensch und Maschine.

Beschleunigungs-Faktoren

Diese enorme Beschleunigung erleben wir jedoch auch in anderen Bereichen, wie beispielsweise, dass der Wettbewerb auf dem Weg ins All mittlerweile kein Wettbewerb der Wissenschaftler mehr ist. SpaceX brachte gerade die ersten Privatpersonen ins All. Das, was man sich noch vor 20 bis 30 Jahren erträumt hat, wird auf einmal wahr und Captain Kirk wird jetzt auch noch kurz vor dem Ruhestand das Weltall erblicken.

Andere Disruptionen, die vielleicht etwas leiser vonstatten gehen, sind die sogenannten Nano-Satelliten, von je 1 bis 10 Kilogramm.

Auch die IBM hat neulich mit dem Announcement der 2nm Chips in der Halbleiter-Industrie eine neue Tür aufgestoßen – Halbleiter-Technik steht jetzt gerade wegen der Verknappung im Mittelpunkt des Interesses. Zur Zeit werden meist 7nm Chips produziert, daran sieht man die schnelle Entwicklung. Bis die 2nm Chip Fabriken dann überhaupt laufen, werden diese vermutlich auch schon wieder überholt sein.

Als letztes Beispiel geht Pillen darauf ein, dass die IBM den ersten überhaupt nutzbaren Quanten-Computer nach Europa gebracht hat. Es ist schon absehbar, dass IBM den 127-qubit Chip ankündigen und zeigen wird.

Auch das Edge Computing, respektive die Edge ­Intelligence, denn auch hier spielt KI eine Rolle, fällt in diese Kategorie.

Diese Beispiele verdeutlichen die Beschleunigung, aber auch die Notwendigkeit der Beschleunigung.

Der Mensch im Beschleunigungs-Zwang

Diese Innovations-Zyklen, führt der IBM General Manager DACH weiter aus, zeigen dass das was man früher in Dekaden erlebt hat, mittlerweile im 2-Jahres-Rhythmus passiert. Dies ist auf der einen Seite begei­sternd, auf der anderen Seite beängstigend.

Während wir im privaten Bereich gerne, teils auch enthusiastisch die Vorteile von Smart Phones und anderen smarten Features nutzen, sieht es im beruflichen Bereich eher gemischt aus. Die Nutzung von KI kann im beruflichen Bereich auch beängstigend sein, weil viele Menschen die Sorge haben, dass der Roboter ­ihren Job übernimmt. Für Unternehmer gilt es also zwischen der Faszination und der Sorge zu vermitteln und Brücken zu bauen.

Schließlich geht es nicht um Mensch gegen ­Maschine, sondern es ist immer eine Dreier-Situa­tion: Der Mensch, der die Maschine programmiert und ­designed hat, der Mensch, der die Maschine nutzt und die Maschine, die tut was man ihr gesagt hat.

Nachhaltigkeit und Ethik

Ein weiterer Aspekt, die Nachhaltigkeit solcher ­Maschinen, wird noch an Bedeutung gewinnen. Sobald alle realisieren, wie hoch eigentlich der Energieverbrauch von Crypto-Währungen, von Rechenzentren, von Blockchains tatsächlich ist, wird dies viel Aufmerksamkeit erregen – zumal dann wenn klar wird, dass die IT-Industrie möglichweise vor dem Schritt steht, andere energiereiche Industrien, wie die Flugzeugindustrie, an der Spitze der Energie-Verbraucher abzulösen.

Bei der Ethik geht es also laut Pillen nicht nur darum, die Datenverwendung, die Künstliche Intelligenz überlegt einzusetzen, sondern auch darum, durch die Nutzung des technologischen Fortschritts zum Beispiel Wettervorhersagen und Call-for-Code-Projekte zu ­ermöglichen und vor allem den Energieverbrauch merklich zu senken.

Skills unter Zeitdruck

Ein anderer Aspekt der Beherrschbarkeit ist die ­Frage der Skills, also der Fähigkeiten sowohl des Einzelnen, als auch der Fähigkeiten, die ein Unternehmen in sich ereinen muss. Angesichts der sehr kurzen ­Innovations-Zyklen, wird sich auch der Skill-Bedarf extrem schnell verändern.

Der Druck, die Fähigkeiten des Unternehmens sehr schnell zu ändern, nimmt rasch zu. Wir brauchen jede Menge KI-Spezialisten, Hybrid-Cloud Spezialisten, Spazialisten für Data Fabric, Encryption, Quantum, und möglicherweise dann übermorgen schon den ­Spezialisten für Nano-Satelliten.

Diese sich rasch wandelnden Skill-Anforderungen bedingen, dass Unternehmen jetzt eine Lernkultur als Teil der Unternehmenskultur einführen müssen. Das ist eine neue Herausforderung und Unternehmen sollten nicht nur für den immediaten eigenen Bedarf weiterbilden, sondern für den ganzen Markt, damit dieser die Innovationen und die entsprechenden Fähigkeiten trägt.

Confidential Computing

Auch bei der Sicherheit der Daten stehen wir, so ­Pillen, am Anfang einer neuen Entwicklung: Stichwort Confidential Computing.

Confidential Computing beschreibt den Ansatz, Daten nicht nur während der Speicherung (data at rest), während der Übertragung (data in transit), sondern auch während der Verarbeitung (data in use) zu verschlüsseln. Diese end-to-end Verschlüsselung ist etwas, das gerade in stark regulierten Branchen, aber auch in stark unter Wettbewerbsdruck leidenden Branchen ­immer mehr notwendig ist.

Pillen betont, dass IBM branchenspezifische Clouds aufbaut, die genau diesen Sicherheitsaspekten entsprechen. Diese regulativen Clouds basieren auf den ­klassischen Hyperskalern, den Public Cloud Anbietern, wie Microsoft oder Amazon, mit denen IBM ebenfalls zusammenarbeitet. IBM stellt sich als Hybrid Cloud-, Data- und KI-Anbieter so auf, dass die Offenheit sich nicht nur darin manifestiert, wie die Systeme miteinander verbunden werden, sondern auch darin, wie IBM im Ecosystem mit anderen Playern zusammenarbeitet. Hier trägt jeder den Teil bei, in dem er besonders stark ist.

Eine der Stärken der IBM ist, dass diese ihre end-to-end Verschlüsselungs-Philosophie noch durch die keep-your-own-key Strategie abgerundet hat. So bleibt die Datensouveränität von Organisationen und Unternehmen vollständig gewahrt.

Pillen betont in diesem Zusammenhang, dass IBM sich ganz klar zu europäischen Werten und Vorschriften bekennt und bei Initiativen wie GaiaX und ­Code-of-Conduct mitwirkt.

Fazit

Seine Einführung in den Think Digital Summit DACH schließt Gregor Pillen, General Manager IBM DACH mit den Worten: „Es ist also wichtig, dass man sich auch mit Technologien auseinandersetzt, wie der Quanten-Technologie, die vielleicht erst in 3 Jahren den wirklichen Quantum-Advantage bieten – in dem Sinne dass Sie es produktiv einsetzen.“ Diese ­Technologien, betont er weiter, entwickeln sich mit einer ­Geschwindigkeit, dass schon heute eine Vorbereitung auf 2nm Technologie, auf Quantum ­Computing, auf KI, auf ein permanentes Lernen und eine gesamtheit­liche Betrachtung vorgenommen werden muss.

Quelle:

Eröffnungs Keynote von Gregor Pillen, Vorsitzender der Geschäftsführung IBM Deutschland GmbH, ­General Manager Deutschland, Österreich und Schweiz bei IBM. Die Veranstaltung fand wieder als digitales Format statt, diesmal am 13. und 14. Oktober 2021 live (streaming) und kurz danach für eine gute Woche on-Demand abrufbar – vermutlich ist dieser Link zum Zeitpunkt der Veröffentlichung daher nicht mehr gültig, eventuell führt aber eine Suche z.B. bei YouTube zum Erfolg.

https://app.tools.ibm.com/event/thinksummitdach/planning/UGxhbm5pbmdfNjk4NjQw

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