Mobile Zugriffe auf IBM i

22. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Cloud, Social Media, Devices

Seit den 90er Jahren bietet IBM Produkte mit der IBM i Access-Familie Terminalemulatoren, Datenübertragung und weitere Funktionen zum Einsatz in verschiedenen Umgebungen an, sowie den IBM Navigator für Windows. Anfangs belächelt, entwickelte sich diese Software zu einem produktiven Werkzeug für IBM i Administratoren. In der heutigen Welt des Mobile Computings ist seine Einsatzfähigkeiten jedoch durch die zwingend notwendige Windows-Betriebssystem- Umgebung eingeschränkt; basieren doch die meisten Mobile- Computing-Geräte auf Android und Apple iOS.

VON DR. WOLFGANG ROTHER

mobil2IBM i Access for Web & Java-Servlets

Bereits Ende der 90er Jahre wurde mit IBM i Access for Web ein auf Java-Servlets basierender Client für Browser und sogar ein Client für damalige Mobiltelefone der IBM i Access- Familie hinzugefügt. Während der „Handy-Client“ nicht weiterentwickelt und schließlich abgekündigt wurde, unterstützen alle heute unterstützten IBM i Betriebssystemversionen das immer wieder aktualisierte IBM i Access for Web. Obwohl das Produkt lange das wichtigste IBM i Access-Familienmitglied für Non-Windows-Ungebungen war, führte es ein Schattendasein. Eine der Ursachen dafür lag sicherlich in der damals wenig verbreiteten Kenntnis bezüglich Konfi guration von Web- und Java-Application- Servern bei „AS/400“-Administratoren. Desweiteren gingen die Ressourcenanforderungen auch weit über das hinaus, was bei Ankündigung des Produkts in produktiven „AS/400“-Systemen, wie im Modell 170, installiert waren. Der Leistungsengpass ist heute ausgeräumt und IBM hat mit der Verfügbarkeit des Integrated Web Application Server die Standardinstallation stark vereinfacht. Die ausführliche Installationsanleitung von IBM Access für Web fi ndet man unter http://pic.dhe.ibm.com/infocenter/iseries/v7r1m0/topic/rzamm/rzamm.pdf. Nachfolgend sind kurz die wesentlichen Installationsschritte aufgelistet.

Leichtere Installation

Die Installation ist einfach und setzt nur Grundwissen über TCP/IP- und Web-Technologien voraus. Zunächst aber sollte sichergestellt werden, dass aktuelle PTFs installiert sind und das Subsystem QHTTPSVR gestartet wurde. Desweiteren ist unter Verwendung des Befehls NETSTAT, Auswahl 3, ein Portbereich von 10 aufeinanderfolgenden freien Ports auszuwählen.

abb1Mittels des HTTP-Admin- Server, erreichbar über http://<systemname oder IP Adresse>: 2001/ HTTPAdmin wird über einen Assistenten eine neue Applikation-Server-Instanz erstellt. Danach eine 5250-Session öffnen und die Produkt Library von IBM i Access für Web mit ADDLIBLE QIWA2 der Bibliotheksliste hinzufügen. Jetzt erfolgt mit dem Befehl CFGACCWEB2 mit Parameter *INTAPPSVR, <Name AppServer>, *DEFAULT die fi nale Konfi guration. Anschließend empfi ehlt es sich, den Application-Server zu stoppen und erneut zu star- Mobile Zugriffe auf IBM i VON DR. WOLFGANG ROTHER ©Burgy Zapp KOPFTITEL Thema NEWSolutions September 2013 21 IT-MANAGEMENT IBM i und SmartPhones ten. Über http://<systemname oder IP Adresse>:<port>/webaccess/ iWAHome sollte nun die Homepage von Access für Web erreichbar sein.

Die Navigationsleiste, links, erinnert an die Liste der Funktionen des IBM i Navigators für Windows und entspricht in etwa auch dessen Funktionalität. Die Bedienung erscheint gewöhnungsbedürftig, das aber auf die eingeschränkten Gestaltungsmöglichkeiten einer Browseroberfl äche zurückzuführen. Startet man z.B. eine 5250-Emulation, so fällt auf, dass alle Funktionstasten als Buttons zur Verfügung stehen. Damit ist diese Emulation auch auf Touch Screen bedienbar. Dies ist wichtig, da selbst auf Tablet-Tastaturen nicht alle Funktionstasten zur Verfügung stehen. Eine weitere, tiefergehende, Beschäftigung mit dem Produkt lohnt sich, denn so kann dessen Einsatz individuell angepasst werden.

Obwohl Objektberechtigungen beachtet werden, kann die Verwendung der Komponenten, ähnlich der Anwendungsverwaltung von Access für Windows, weiter eingeschränkt und können einzelne Komponenten direkt verwendet werden. Z.B. kann eine 5250-Terminalemulation vorkonfiguriert, die Navigationsleiste ausgeblendet und der Link auf das „5250-Servlet“ direkt den Benutzern zur Verfügung gestellt werden. So führt der Aufruf von http://<systemname oder IP Adresse>:<port>/webaccess/ iWA5250 zu einer 5250- Emulation, die ohne die standardmäßig angezeigten Frames weitestgehend auch für den Einsatz mit Tablets und Smartphones geeignet ist. Auch ein Single SignOn bei Verwendung mit anderen Webanwendungen ist möglich, so dass einzelne IBM Access für Web- Komponenten in Unternehmensanwendungen integriert werden können.

abb2Navigator for i Version 2

Ein ähnliches Produkt, der Navigator for i, wurde ursprünglich als Plug-In des IBM System Directors entwickelt. Mit den iSeries Navigator Tasks for the Web (URL Advisor) wurde zunächst eine erste Version der Komponenten mit i5/OS V5R4 angekündigt. In IBM i 6.1 folgte ein Graphical User Interface (GUI) – die erste Version des Navigator for i. Mittlerweile steht eine verbesserte, stabilere Version 2 zur Verfügung, die nun auch produktiv eingesetzt werden kann. Erreichbar ist der Navigator for i unter Port 2005.

IBM i Task Seite

Standardmäßig wird aber der HTTP-Admin-Server-Port 2001 umgelenkt, d.h. der einfache Aufruf http://<systemname oder IP Adresse>:2001 führt zu einem Aufruf von https://<systemname oder I Adresse>:2005/ibm/console/ logon.jsp führt. Nach dem Login gelangt man auf die „Welcome Page“, in der auch ein Link zur IBM i Task Seite des HTTP Admin Servers (Port 2001) integriert wurde.

Da sowohl der HTTP-Admin- Server, der Integrated-Web-Application- Server als auch der Navigator for i Komponenten von IBM i sind, muß nichts zusätzlich installiert werden. Eine Installation von aktuellen PTFs ist, wie immer, zu empfehlen.

Die Struktur und der Funktionsumfang von Navigator for i sind ebenfalls dem Windows- Navigator nachempfunden, so dass man fast alle adminstrativen Aufgaben auch mit dem Navigator for i bewältigen kann. Nicht alles ist aber auf den ersten Blick zu fi nden. Z.B. ist der Link zur 5250-Terminalemulation erst nach Auswahl von „System“ in der Navigationsleiste und Herunterblättern der angezeigten Seite zu sehen.

Auch dieses Werkzeug ist geeignet zur Verwendung mit Tablets und Smartphones mit Touch Screens.

IBM i Access Client Solututions auf Java

In 2012 bekam die IBM i Access- Familie mit IBM i Access Client Solutions ein neues, auf Java basierendes Mitglied. Damit stellt IBM nun auch für Mac OS, Linux und Unix einen IBM i Client zur Verfügung. IBM i Access Client Solutions konsolidiert die am häufigsten verwendeten Tasks zur Verwaltung von IBM i und basiert auf IBM Host on Demand und dem Navigator for i.

abb3

Die Installation ist simpel und besteht im Wesentlichen in dem Entpacken einer einzelnen ZIPDatei. Damit kann das Produkt IT-MANAGEMENT IBM i und SmartPhones KOPFTITEL Thema NEWSolutions September 2013 23 auf USB-Sticks und ähnlichen mobilen Speichern installiert und später auf Systemen mit aktuellen Java-Versionen eingesetzt werden. Eine Lizenz für die IBM i Access Familie auf dem Zielsystem ist aber erforderlich.

abb4Skripte für verschiedene Betriebssysteme

Für das Starten von IBM i Access Client Solutions stehen unterschiedliche Optionen zur Verfügung. Mitgelieferte Skripte für verschiedene Betriebssystem-Umgebungen starten ein Graphical User Interface; ebenso die Eingabe von java -jar <installationspfad>/ acsbundle.jar auf der Befehlszeile. Für den Aufruf einzelner Funtionen können bei Aufruf von acsbundle.jar verschiedene optionale Parameter gesetzt werden. Z.B. startet der Aufruf java -jar acsbundle.jar /PLUGIN=5250 / SYSTEM=<systemname oder IP Adresse> eine einzelne 5250-Terminalemulation. Obwohl vielversprechend, ist dieses Produkt kaum auf Android- und iOS-basierten Geräten einsetzbar. Beide Umgebungen unterstützen kein Java.

Mehr Produktdetails findet man in der nach der Installation verfügbaren Dokumentation. Hilfreich sind auch die Beiträge im Blog http://iprodeveloper.com/blog/ modern-i-zation von Tim Rowe, Business Architect für Application Development und System Management für IBM i.

Sicherheit & VPN

abb5Ein kritischer Punkt mobiler Administration ist immer Sicherheit beim Datenaustausch. Alle im Artikel erwähnten Produkte unterstützen daher verschlüsselte Kommunikation über Secure Socket Layer. Empfehlenswert sind auch VPN-Clients für sicheren Zugang zu unternehmenseigenen Netzwerken.

Wenn Sie sich die Frage stellen, warum in diesem Artikel immer wieder die 5250-Emulation als Beipiel gewählt wurde, dann versuchen Sie sich in die Rolle eines „mobilen i Admins“ zu versetzen. Nach meinen langjährigen Erfahrungen mit Remote-Administration eines für universitäre Ausbildung genutzten Power-Systems mit mehreren IBM i Instanzen bin ich der Überzeugung, dass man unterwegs meist nicht mehr als eine Befehlszeige benötigt. Für alles andere sollte man, wenn verfügbar, geeignete Anwendungen oder Apps verwenden. Aber es ist immer schön zu wissen, dass Funktionen, die man vermutlich selten braucht, doch existieren und verfügbar sind. ♦

IT-MANAGEMENT IBM i und SmartPhones Dieser Beitrag bildet Bestandteil des eDossiers „Was geht mit IBM i 7.1“, das Anfang 2014 erschienen ist. Dort finden Abonnenten nebst größeren Abbildungen zu diesem Artikel, auch viele weitere wertvolle Beiträge zum Thema.

 

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