Mobiles Arbeiten – Statusbericht

10. Januar 2017 | Von | Kategorie: Cloud, Social Media, Devices, Human Resources, Personal

Die Mitte 2016 veröffentlichte Studie „Mobiles Arbeiten“ 2016 erforscht,
welche Kompetenzen und Arbeitssysteme das mobile Arbeiten voraussetzt
und welche negativen Aspekte vermieden werden sollten.

von Burgy Zapp von Schneider-Egestorf

Die Anwesenheitspflicht verliert dank des zunehmenden Einsatzes mobiler Devices und Verträgen mit Home Office Berechtigung zunehmend an Bedeutung, wie Microsoft und der Daimler-Konzern demonstrieren

Mit IBM hat eines der allerersten Unternehmen, die schon vor 7-10 Jahren mobile Arbeitsplätze und Home Office einführten, jetzt allerdings für die Sparte Marketing in USA eine Kehrtwende vollzogen. Diese Arbeitnehmer müssen jetzt umziehen, um an einem von 6 vorgegebenen IBM-Standorten gemeinsame Büros zu beziehen, um dort „im Schulterschluss“ zu arbeiten. Die Anwesenheit wird kontrolliert und dokumentiert werden.


Michelle Peluso, Chief Marketing Officer, begründet diesen anti-zyklischen Schritt unter anderem wie folgt: „Wenn ein Team Seite an Seite arbeitet wird es einfach schlagkräfitger, erfolgreicher und kreativer… Die Menschen zusammenzubringen, erschafft einen ganz eigenen X-Faktor.“

In diesem Zusammenhang mag auch erhellend sein, dass laut der Berliner Innovationsberatung TOM SPIKE, Brainstormings, die strukturiert nach festen Regeln durchgeführt werden, dazu beitragen, in der Gruppe bereits bekanntes Wissen „auf den Tisch“ zu bringen. Wenn es jedoch um neue Denkansätze geht, empfehlen Innovationsberater andere Techniken, wie „Brainwriting“, „Design Thinking“, „Zwerge-Modell“, „6 Thinking Hats“ oder „Operator MKZ“. Fast alle Innovationsmethoden haben gemeinsam, dass eine Gruppe gebildet wird, die sich physisch in einem Raum befinden muss.

Abbildung 2

Was den Arbeitsplatz betrifft, gibt es also keine reine schwarz/weiß-Lösung – auf eine differenzierte Gewichtung der jeweiligen Anforderungen kann aus Sicht der Arbeits- und Organisations-Psychologie nicht verzichtet werden.

Doch zurück zu der vorliegenden Studie zum mobilen Arbeiten. Die Autoren präzisieren das hierbei zugrundegelegte Konzept von Arbeitswelt 4.0 nicht nur als den Einsatz der neuen Techniken von Industrie 4.0, sondern als „die Arbeit der Zukunft in ihrer ganzen Breite und Vielfalt“.
Und diese ist hyperflexibel, multilokal, individuell, entgrenzt, digitalisiert, vernetzt, international, global, virtuell und vor allem mobil. Damit verändern sich die Anforderungen an die „Mobile Worker“, an ihre Führung sowie an die Gestaltung ihrer Arbeitsplätze. Unter dem Begriff „Mobile Worker“ erfasst die Studie alle Mitarbeiter, die innerhalb oder ausserhalb des Betriebs mit mobilen Arbeitsgeräten arbeiten.

Mobiles Arbeiten stellt, so die Studienergebnisse, höhere Anforderungen an Schlüsselkompetenzen der Beschäftigten. Mitarbeiter benötigen insbesondere mehr Selbstkompetenzen wie Selbstständigkeit, Flexibilität, Kreativität, Verantwortungs- und Leistungsbereitschaft sowie Zuverlässigkeit. Passende Weiterbildung in puncto Geräte und neue Arbeitsprozesse sollte daher durch Schulungen in der neuen Art zu arbeiten ergänzt werden.
Die Status-Erhebung der Studie ergab folgendes Bild der Arbeit, wobei die Gruppen überlappen:

  • 11% der Beschäftigten arbeiten mobil ausserhalb des Unternehmens
  • 14% innerhalb des Unternehmens mobil
  • 29% sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Unternehmens mobil
  • 46% arbeiten an einem stationären Arbeitsplatz
  • 54% arbeiten mobil an wechselnden Arbeitsplätzen

In den Betrieben der Befragten nutzen die Mitarbeiter für die mobile Arbeit mehrheitlich Laptops und tragbare Computer (97 Prozent), gefolgt von Smartphones (93 Prozent), Tablets (62 Prozent) und anderen mobilen Geräten wie Special Hardware (36 Prozent). Für manche Hardware (wie etwa ­Tablets) scheinen sich gängige Office-Applikationen (wie Textverarbeitungssoftware, Tabellenkalkulationsprogramme, Software zur Erstellung interaktiver Präsentationen oder Personal Information Manager, mit denen persönliche Daten wie Kontakte, Termine, Aufgaben und Notizen organisiert und verwaltet werden) weniger zu eignen als für andere (wie Laptops).
Bei der Frage, welche Geschäftsprozesse die Unternehmen der Studienteilnehmer mobil erledigen, ergab sich folgendes Bild: Abb. 1.

Abbildung 3

Die Studie „Mobiles Arbeiten“ ergab ferner, dass heute mobil arbeitende dort sind, wo sie gerade aufgrund von Terminen, aktuellen Teamzusammensetzungen oder ihrer WorkLife-Balance sein müssen – also sehr häufg auch an wechselnden Orten im eigenen Betrieb.

Welche Anwendungen im mobilen Arbeiten hauptsächlich eingesetzt werden, geht aus Abb. 2 hervor.
Die Erhebung ist auch sehr detailliert auf die Nachteile des mobilen Arbeitens eingegangen. Viel ­Mobile Worker nannten psychische Beanspruchung durch Anspannung, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit und Nervosität. Dies scheint weniger auf der Länge der Arbeitszeit, als durch die Störung der Ruhezeiten an den sonst freien Tagen zu beruhen. Ein weiterer wichtiger negativer Punkt war die Ergonomie der Arbeitsmittel und die Arbeitsumgebung. Hierunter fallen zum Beispiel Zeichengröße am Bildschirm, kein getrennter Bildschirm, kleine Tastenfelder, keine ergonomischen Sitzmöglichkeiten, Lärm im Arbeitsbereich.
Wie die mobil Beschäftigten in dieser Umfrage ihre Arbeitssituation im Vergleich beurteilten, geht aus Abb. 3 hervor.

Hier bestätigt sich wieder, dass eine sorgfältige und sehr detaillierte Analyse der Aufgabenstellung, der Skill-Sets der betroffenen Mitarbeiter sowie der künftigen Kommunikation und künftigen ­Arbeitsumgebungen unbedingt jeder Änderung vorausgehen sollte – im Interesse sowohl des Mitarbeiters als auch des Unternehmens.

Die Studie geht auf viele weitere Aspekte ein und ist vom Herausgeber, Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V., verfügbar unter: http://www.dgfp.de/assets/news/2016/Ergebnisbericht-Studie-Mobiles-Arbeiten.pdf

Literaturhinweis

Die Autoren der Studie „Mobiles Arbeiten 2016“:

Prof. Dr. Jochen Prümper (Hochschule für Technik und Wirtschaft, Berlin), Christian Lorenz (Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V., Berlin), Stefanie Hornung (spring Messe Management GmbH, Mannheim) sowie Matthias Becker (bao – Büro für Arbeits- und Organisationspsychologie GmbH, Berlin)

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