
von Isabella Pridat-Zapp
MANAGEMENT IBM Announcements
IBM kündigt dafür neben den 5 neuen Systemen, mit Verfügbarkeit am 10. Juni 2014, auch drei neue Big Data & Analytics-Lösungen an, nämlich IBM Solution for BLU-Acceleration, IBM Solution for Analytics und IBM Solution for Hadoop, die strukturierte und polystrukturierte Daten auswerten können.
Die neuen Systeme sind Ergebnis von Investitionen in Höhe von ca. 2,4 Milliarden US-Dollar, mehr als drei Jahren Entwicklung und basieren auf Hunderten von IBM Patenten.
Der neue IBM POWER8-Prozessor ist der zentrale Chip, der etwa 2,5 Quadratzentimeter (1 Square Inch) groß ist. Er enthält mehr als vier Milliarden mikroskopisch kleiner Transistoren oder Schalter und darüber hinaus mehr als 16 Kilometer an Highspeed-Kupfer-Verkabelung. Dieser erste für Big Data und Analytics optimierte Chip wurde speziell für Cloud Umgebungen entwickelt und wird auf den ersten offenen Servern ausgeliefert.
„Im Cloud Environment diskutieren wir immer wieder den on-Premise und den off-Premise Ansatz mit unseren Kunden, wobei diese zunehmend einen Teil im Unternehmen und einen Teil außerhalb des Unternehmens wollen. Das führt zu einer Hybrid Cloud, was natürlich mit einer zentralen Administration vom Kunden verwaltet werden soll – dies ist nur mit den Cloud Open Source Lösungen möglich, die wir hier zur Verfügung stellen,“ erläutert Ingolf Wittmann.

Nach Ergebnissen von Branchen-Benchmarks sind die IBM Power Systeme in der Lage, die Analyse von Daten bis zu 50-mal schneller als die aktuellen x86-basierten Systeme durchzuführen. Einige Unternehmen konnten ihre Datenanalysen über 1000-mal (!) schneller ablaufen lassen, wodurch sich die Laufzeiten von mehreren Stunden auf nur wenige Sekunden verkürzen ließen. Hierbei kommen Latenzzeiten für zum Beispiel Nvidia Technologie oder Flash Technologie oder die Anzahl addressierbarer Speicher des Systems, die Memory Bandbreiten und die I/O Bandbreiten ins Spiel, um solche Systeme als Gesamtarchitektur performant zu gestalten im Zusammenspiel mit der Prozessorarchitektur.

„Dies ist eine große Neuerung,“ sagt Ingolf Wittmann, „dass beim Chip Design nicht nur Hardware Microprozessor Techniker mitgearbeitet haben, sondern auch mit den Labors eine enge Zusammenarbeit stattgefunden hat, vor allem den Big Data Labors, den Dantenbank Leuten, um auf diese Weise den Prozessor so zu bauen, dass er auf möglichst optimale Weise im Big Data Umfeld funktioniert und dementsprechend wurden auch die zugehörigen Software Komponenten angepasst.“

Die neuen Angebote ergänzen die bestehende Unterstützung von IBM für die Red Hat und SUSE Linux Betriebssystem-Distributionen auf der kompletten Familie von IBM Power Systemen.
Die Zusammenarbeit von IBM mit Canonical und seinen 20 Millionen Ubuntu-Nutzern weltweit, bietet Experten eine Reihe von Entwicklungswerkzeugen, um Big Data- und Mobile-Software-Anwendungen zu realisieren. Sie kann auch dazu beitragen, die Leistung bestehender Cloud-Anwendungen signifikant zu beschleunigen. IBM bietet die neueste Version von Ubuntu Server, Ubuntu Openstack und Canonical Juju Cloud-Orchestrierungstools auf den neuen Power Systemen und auch künftigen POWER8-basierten Systemen an. Ein wichtige Kunden-Zielgruppe im Cloud Bereich sind MSPs und ASPs, also Managed Service Provider und Application Service Provider.
S-Class-Server definieren die Wirtschaftlichkeit der heutigen Rechenzentren neu – inklusive Flächenbedarf, Stromversorgung und Kühlung, kombiniert mit sehr hoher Qualität und Auslastung. IBM garantiert eine Workload Performance bei 65% auf seiner gesamten Palette von S-Class-Servern, was den Branchendurchschnitt übertrifft. Mit dem doppelten Datendurchsatz im Vergleich zu den aktuellen x86-basierten Commodity-Systemen können IBM S-Class-Server dabei helfen, den Flächenbedarf von Rechenzentren annähernd zu halbieren.

Auch die Nomenklatur ist neu: Das „S“ steht für Scale-out Server. – Im Oktober 2014 werden wir vermutlich dann Server der Enterprise Reihe sehen, deren Name mit „E“ beginnt. – Die „8“ steht für POWER8 Prozessor. Die Stelle danach bezeichnet die Zahl der Sockets im Server und die letzte Stelle gibt an, wieviel Rack-Plätze belegt werden, d.h. zur Zeit entweder 4 oder 2 Plätze. Scale-out bezeichnet die „kleineren“ Server, wobei zu bedenken ist, dass ein solcher Server die gesamte Betriebswirtschaft eines normalen mittelständischen Unternehmens abbilden kann, auch mit virtuellen Maschinen, die entsprechende Lösungen dann in einer Maschine abdecken. Die Scale-up Server, also alles was dann 770, 780 oder 795 ersetzen soll, werden dann vermutlich im Oktober mit Verfügbarkeit in 2015 angekündigt.

Zu den fünf neuen S-Class POWER8-Power-Servern zählen auch zwei Systeme, auf denen ausschließlich Linux läuft: die Power Systems-S812L und S822L-Server. Preislich beginnen diese mit 6000 bis 7000 US Dollar, während ein S824-Server voll ausgebaut einen Listenpreis von ca. 150 tausend US Dollar haben soll. Die Linux-Server sind unter anderem deshalb so günstig, da sie auf Komponenten verzichten können, die für die anderen Betriebssysteme unerlässlich sind, wie zum Beispiel der Microcore für AIX und IBM i.

Die Power Systems S814-, S822- und S824-Server geben Nutzern die Flexibilität zum Einsatz der Linux-, AIX- und IBM i-Betriebssysteme. Hierzu siehe auch die Tabelle im technischen Beitrag ab Seite 8 dieser Ausgabe. Das Release V 7.2 ist das Release, das für POWER8 gilt – es läuft aber auch auf POWER7 Systemen.

Im Prinzip ist der POWER8 ein Open Source Prozessor, der durch seine besonderen Stärken, wie Memory Bandbreiten und Geschwindigkeiten im Analytik-Bereich geradezu dazu einlädt, individuelle Systeme zu bauen – eine Einladung, die im Laufe des Jahres vermutlich noch interessante Ergebnisse hervorbringen dürfte.
Der POWER8 Prozessor wurde in weltweiter Zusammenarbeit der verschiedenen IBM Labors entwickelt, wobei das IBM Labor in Böblingen, mit Aussenstelle in Mainz, mit 10-15% des Entwicklungsteams einen wesentlichen Anteil hatte. „Wir machen unter anderem auch das CAPI Interface, das steht für Coherent Accelerator Processor Interface,“ erläutert Klaus-Dieter Schubert, Distinguished Engineer, IBM. „Das ist ein neues Interface, das über PCIe angeschlossen wird. Der Chip kommuniziert zwar über PCIe mit dem Prozessor Chip, verwendet aber dafür das Protokoll, das über das PCIe darübergestülpt ist, so dass ich direkt memory-coherent Operationen mit dem Prozessor machen kann. Was ein großer Vorteil ist, denn der gesamte Software-Overhead, den ich im PCIe habe, der fällt einfach weg. Und damit kann ich komplett neue Lösungen bauen, die ich bisher nicht bauen konnte, zum Beispiel im OpenPOWER Umfeld für Remote Data Operationen mit sehr viel besserer Bandbreite. Wir werden auch bald Flash Systeme zeigen, die man direkt aussen anschließen kann, um einfach unseren Hauptspeicher zu vergrößern, da erreicht man mit Flash eine sehr viel höhere Dichte. Man kann dann Systeme mit viel Speicher und wenig Rechenleistung herstellen für einen sehr kleinen Preis, d.h. ich spare Kosten und erhalte sehr viel Performance, was gerade im Cloud Bereich so wichtig ist.“


