Gartner: ERP Hype Cycle 2014

5. März 2015 | Von | Kategorie: ERP + Add-ons, Business Software, Strategische Berichte

Der Bereich ERP beginnt gerade seine dritte Phase, womit sich die Vorhersehbarkeit der ERP Welt, mit der wir in den letzten beiden Dekaden rechnen durften, erledigt hat. CIOs und führende ERP Anbieter müssen sich jetzt mit aktuellen Thema von „Legacy ERP“ befassen und die Einzelheiten für ein postmodernes ERP planen, so dass die lang gehegten Versprechen von ERP dann in Erfüllung gehen.

IMG_20140904_204147_1Autor: Gartner Inc.

Analyse

Hintergrundinformation

Dieser Hype Cycle befasst sich mit Trends und Technologien, die für einen ERP-Planer wichtig sind. Hier werden die Technologien besprochen, die man in Betracht ziehen muss, um sicherzustellen, dass die ERP Strategie der Organisation zum Unternehmenswert beiträgt und zu seiner Geschäftstätigkeit, und dem Benutzer innovative Möglichkeiten eröffnet. Insbesondere fokussiert der Hype Cycle sich auf die Technologien, die hinter den vielversprechendsten, tiefgreifendsten und damit schwierigsten Umbrüchen im Bereich ERP der letzten 20 Jahre stehen – postmodernes ERP. Dieser Fokus hat in 2014 einen sehr dichten Hype Cycle hervorgebracht, wobei die meisten Technologien entweder ganz oben im Bereich der höchsten Erwartungen angesiedelt sind oder aber stark abrutschen in die Talsohle der Enttäuschung. Eine Ausnutzung der erfolgreichen Technologien und Trends durch zielgerichtete ERP Investitionen kann eine strategische Neuausrichtung der Organisation – besonders im Bereich Digitalisierung – in Richtung größerer Beweglichkeit und optimierten Geschäftsresultaten ermöglichen.

Der Hype Cycle mag den Eindruck erwecken, dass die Auswirkungen des postmodernen ERP und anderer tiefgreifender Technologien ein Stück in der Zukunft liegen, doch dies ist irreführend. Bei ERP handelt es sich um eine langfristige Investition und so müssen die Organisationen jetzt im Rahmen eines 2- bis 5-Jahres-Planes denken. Während der Hype um diese neuen Technologien sich aufheizt, wird der Markt zunehmend undurchsichtiger. Deshalb müssen CIOs und führende Anbieter jetzt planen, ob und wann sie diese Technologien einführen wollen, um plötzlichen Anforderungs-Änderungen nicht ausgeliefert zu sein.

Der Hype Cycle

Im Lauf der letzten 30 Jahre hat sich die ERP Technologie von der ursprünglichen Ansammlung von Einzellösungen hin zu einer zunehmend komplexen, umfassenden integrierten Komplettlösung entwickelt, die den Anspruch erhebt „alles abzudecken“. Unternehmen haben über 1 Billion US$ ausgegeben auf der niemals endenden Suche nach der integrierten ERP Lösung. Allerdings haben die meisten feststellen müssen, das „one size“ nicht für alle passt, die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens und sich bietende Gelegenheiten wurden geopfert im Namen der Integration, doch eine alleinseligmachende Wahrheit blieb ein trügerisches Versprechen. Im Zeichen von glaubwürdigen Cloud-Angeboten und ausgereifteren Alternativen sowie neuen Technologien in den Bereichen Mobile und Social Business, orientieren sich die Organisationen zunehmend weg vom dem monolythischen Komplettlösungs-Ansatz, hin zu einem weit flexibleren ERP Modell mit verschiedenen Standbeinen. Die konditioniere Forderung nach einem on-premise Komplettlösungsansatz von einem einzigen großen ERP-Anbieter (d.h. monolythisches ERP) ist tot und wurde durch ein Konzept ersetzt, das wir als „postmodernes ERP“ bezeichnen. Unter postmodernem ERP verstehen wir die Entflechtung der ERP-Komplettlösung in lose verbundene Anwendungen, die unabhängig von Prozess-Vorgaben funktionieren und die Vorzüge von Cloud, Mobile und Social Technologien nutzen sowie flexibel auf Prozessanforderungen reagieren können.
Die postmoderne ERP Bewegung hat das Potential, die heutige ERP-Welt bis in ihre Grundfesten hinein zu erschüttern. Das Machtverhältnis ist dabei, sich rasch von den großen ERP-Anbietern weg, hin zu den ERP-Anwendern zu verlagern. Bei der Frage nach neuen Funktionalitäten oder neuen geschäftliche Anforderungen wendet man sich nicht mehr an den ERP-Anbieter, vielmehr suchen die Unternehmen neue Technologien und deren Anbieter, um Flexibilität zu gewinnen, die es ermöglicht, geschäftliche Gelegenheiten zu ergreifen. Ein großer Anteil (oder sogar alle) der erforderlichen ERP Funktionalitäten wird als Cloud Service genutzt werden oder via Geschäfts-Prozess-Outsourcing. Hieraus ergibt sich eine Anbieter-Landschaft, die sowohl dynamisch als auch verwirrend ist. Um hier Herr der Lage zu bleiben, bedarf es einer starken ERP Strategie, um alle Klippen zu umschiffen und nicht in eine willkürliche Ansammlung von Einzellösungen zurückzufallen.

Führende ERP Anbieter und CIOs sehen sich heute einer verwirrenden Vielfalt von Technologien und Anbietern gegenüber. Um in dieser chaotischen Umgebung ihr Anwendungs-Portfolio zu ordnen, wenden sie sich zunehmend einer Pace-Layered Application Strategy * zu. So hat sich diese im aktuellen Hype Cycle wieder weiter nach oben bewegt. Das pace-layered Framework und die in diesem Zusammenhang verwendeten Begriffe, ermöglichen es ERP Anbietern, CIOs und der Unternehmens-Organisation, das Anwendungs-Portfolio mit der Unternehmensleitung durchzusprechen und festzumachen, wo investiert werden muss. Aus dem Pace-layering ergeben sich Ansatzpunkte für Anwendungs Portfolio Management (APM) Aufgaben. Das APM wird mit der zunehmenden Etablierung des postmodernen ERP und der zunehmenden Anzahl von an der Lösungs-Mischung im Unternehmen mitwirkenden Anbietern, an Bedeutug gewinnen. Allerdings soll darauf hingewiesen werden, dass der für das Erreichen der Spitze angesetzte Zeitraum für diese Disziplin im Hype Cycle 2014 mit mehr als 10 Jahren angesetzt wurde, während im Hype Cycle 2013 noch von 5-10 Jahren ausgegangen wurde. Hierin spiegelt sich die verbreitete Unausgegorenheit dieser Disziplin und die Schwierigkeiten, mit denen sich die meisten Unternehmen bei ihrem nutzbringenden Einsatz konfrontiert sehen.

Um sein Potential voll zu entfalten benötigt das postmoderne ERP die angesprochenen Technologien und Services. Viele dieser Technologien sieht man im Hype Cycle in unterschiedlichen Reife-Positionen. Mit fortschreitender Diversifizierung des Anwendungsportfolios, das nicht länger von monolithischen ERP Lösungen dominiert wird, wird das Thema Master Data Management (MDM) zunehmend kritisch. MDM bewegt sich immer weiter in Richtung des Trough of Disillusionment. Dies spiegelt die Schwierigkeiten wider, denen sich die Unternehmen bei der Umsetzung einer schlüssigen MDM Strategie gegenübersehen und die sich daraus ergebende Erkenntnis, dass MDM kein Allheilmittel für die Daten-Probleme einer Organisation bietet.

Die zu den einzelnen Anwendungen gehörenden Daten werden nicht kontrolliert und die Notwendigkeit eines rudimentären Datenmanagements tritt immer stärker in den Vordergund, je mehr Anwendungen das Anwendungsportfolio enthält. Als Reaktion auf diesen Bedarf sind Anwendungs-spezifische Datenmanagement Lösungen entstanden, die es den Mitarbeitern erlauben, ihre Anwendungsdaten zu verwalten und zu pflegen. Doch zeigt das Abrutschen der MDM Programme in Richtung auf die Talsohle, welchen Schwierigkeiten die Unternehmen mit ihren MDM Programmen begegnen.
Paradoxerweise nehmen Daten weiterhin einen sehr hohen Stellenwert in den Organisationen ein, wie die hohe Positionierung von Big Data und ERP und IMC-basierten Paketen für CRM / ERP / CPM Anwendungen im diesjährigen Hype Cycle belegt (IMC, in-memory computing).

Aus der Diversifizierung, die mit postmoderner ERP einhergeht, ergeben sich oft geschäftliche Funktionen und Prozesse, die mehrere Anwendungen einbinden. Dafür bedarf es einer breiten, mehrere Funktionen überspannenden Prozess-Koordination, wie sie intelligente Business Process Management Suites (iBPMSs) an der Spitze der Erwartungen (Peak of Inflated Expectations) bieten.
Allerdings erfüllen postmoderne ERP Geschäfts-Prozesse zunehmend hohe Ansprüche, wobei Entscheidungen von intelligenten Runtime Operationen gefällt werden, um dem Unternehmen taktische und strategische Vorteile zu verschaffen.

Diese IBO (intelligent business operations) finden sich am Gipfelpunkt des Peak of Inflated Expectations. IBO kann als Vorläufer des neuen, breiter gefassten Digitalisierungstrends betrachtet werden, der bei dem ERP- und Digital Business Profil soeben sichtbar wird.

Technologien wie iBPMS und IBO unterstützen die Prozesse, doch für einen engen Zusammenhalt der postmodernen ERP Umgebung werden weitere Technologien benötigt.
Verbindende Technologien und inherente Integration und Cloudstreams stellen sicher, dass die verschiedenen Komponenten der Anwendungslandschaft im Einklang funktionieren. Die Positionen dieser beiden Technologie-Punkte haben sich gegenüber dem Vorjahres-Hype-Cycle nicht verändert, da Anbieter und Anwender auch weiterhin um ein Verständnis der Erfordernisse und sich hieraus ergebenden Problemstellungen ringen.
Das postmoderne ERP fokussiert sich stärker auf den Benutzer und erweitert ERP um neue Benutzer-Zugriffsmöglichkeiten und neue Einsatzgebiete. Auf dem Weg zum Gipfel befindet sich ERP mit Social Software, deren Schwerpunkt unternehmensintern liegt und post-PC ERP. Gleichzeitig hat ERP mit AppStores/Marketplaces bereits den Hype-Zenit deutlich überschritten und befindet sich auf dem Weg in die Desillusionierungs-Talsohle da es sich immer deutlicher herauskristallisiert, wie schwierig die Umsetzung komplexer ERP-bezogener Prozesse wirklich ist. Im Öffentlichen Sektor gewinnt Cloud ERP an Höhe und Cloud ERP für große Unternehmen hat seinen Anstieg sehr beschleunigt und den Kamm bereits überschritten. Cloud ERP für kleine und mittlere Unternehmen hat die „Slope of Enlightenment“ schon erreicht.
Die Annahme von Cloud Technologien auf breiter Front befeuert auch bei den zugrundeliegenden Technologien die Nachfrage: PaaS (Platform as a Service), um custom Entwicklung von Anwendungen und CSBs (Cloud Service Brokerages) anzubieten und Cloud Services anzupassen und zu integrieren. PaaS nähert sich seinem Reifestadium und somit der Talsohle. Der Bedarf an CSBs wächst mit der Anzahl an Cloud Services und der Anzahl an Unternehmen und Organisationen, die diese einführen. Dieser wichtige Service entwickelt jedoch im ERP-Kontext zunächst noch seine genaue Aufgabenstellung und befindet sich daher erst im Aufstieg zum Peak of Inflated Expectations. Eine weitere Sourcing Variante, ERP Infrastruktur Utility (IU) hat seine Position gegenüber dem Vorjahr auf dem Weg zur Talsohle nicht verändert, da die User noch mit Verständnisproblemen kämpfen, wenn es um die Komplexität der Cloud Umgebungen und die Differenzierung zwischen IaaS (Infrastructure as a Service) und IU geht.

Je mehr sich der ERP-Anwendungskomplex auf verschiedene Sources verteilt, desto stärker muss sich der ERP Support an die postmoderne Welt anpassen. So hat sich der Support für postmodernes/hybrides ERP als Innovations-Trigger entpuppt.

In NEWSolutions veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Gartner Inc.

Diese Erkenntnisse stammen aus einer detail-reichen Studie, die bei www.gartner.com eingesehen werden kann.

*Gartners Pace-Layered Application Strategy ist eine Methode, um Anwendungen zu Kategorisieren, Auszuwählen, Managen und Planen damit Unternehmens-Entwicklung, -Differenzierung und -Innovation vorangetrieben werden.

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